Magdeburg l Nach der Freistellung von Magdeburgs Zoo-Chef Kai Perret soll nun auch die Staatsanwaltschaft Magdeburg die Vorwürfe gegen ihn prüfen. Es geht unter anderem um Tierwohlgefährdung. Allerdings ist eine entsprechende Anzeige beziehungsweise ein Schreiben bis zum 3. Februar 2020 noch nicht bei der Staatsanwaltschaft in Magdeburg angekommen, wie Pressesprecher Frank Baumgarten auf Volksstimme-Nachfrage erklärte. "Das muss aber noch nichts heißen", sagte er. Schließlich müsse man dem Postweg zwei bis drei Tage einräumen.

Peta begrüßt Freistellung

Unterdessen begrüßt die Tierrechtsorganisation Peta die Freistellung von Perret. "Wir hoffen, dass ihm nun endlich langfristige Konsequenzen drohen und er auch dauerhaft nicht ins Amt zurückkehren darf", erklärte Peta-Fachreferentin Yvonne Würz in einer Mitteilung.

Perret ist nach einem einstimmigen Beschluss der Gesellschafterversammlung am 30. Januar 2020 mit sofortiger Wirkung freigestellt worden. Tags darauf gab er seine Schlüssel zum Zoo Magdeburg ab.

Seine Freistellung soll helfen, ein undurchsichtiges Geflecht aus Vorwürfen, Rechtfertigungen und Interessenskonflikten zu entzerren. Perret soll so erst einmal aus der "Schusslinie genommen werden", erklärte am Freitag Oberbürgermeister Lutz Trümper, der auch Aufsichtsratschef des Magdeburger Zoos ist.

Streit um Umgang mit Tieren

Seit Jahren soll es Zerwürfnisse mit der Zoo-Belegschaft geben. Mitarbeiter, Zoo-Leitung und Zoo-Tierarzt bezichtigen sich gegenseitig Verfehlungen. So sollen Tierarzt und Belegschaft unter anderem über den Umgang mit Tieren streiten. Diese Vorwürfe stehen bis heute im Raum.

Perret sei es nicht gelungen, die Konflikte zu lösen, heißt es hinter den Kulissen. Hinzu kamen eine Reihe negativer Schlagzeilen: 2019 starben innerhalb weniger Wochen drei Giraffen, eine davon im Alter von nur sechs Wochen. Ein anderes Jungtier wurde tot geboren. Ein paar Wochen später büxten Schimpansen aus dem neuen Affenhaus aus, zuletzt klemmte sich ein Elefant ein Stück seines Rüssels an einem Tor ab.

Letzter Höhepunkt war ein Brief der Zoo-Belegschaft mit einer Liste an Verfehlungen. Dieser wurde dem Veterinäramt zugestellt und soll nun auch die Staatsanwaltschaft erreichen. Sollte diese in den Vorwürfen einen Anfangsverdacht für die Gefährdung des Tierwohls erkennen, kann sie Ermittlungen einleiten.

Nach all den Vorfällen und Streitigkeiten bröckelte Perrets Rückhalt im Aufsichtsrat. Dieser sah sich dann zur Freistellung gezwungen.