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Karneval in Wassensdorf DDR-Zeit, Dönerpause und volle Lautstärke: Diese Schule ist völlig außer Kontrolle

Wenn die Schulleiterin zur E-Gitarre greift, der Musiklehrer den Punk entdeckt und selbst der Schulgeist nicht mehr für Ordnung sorgen kann, dann ist klar: Der Wassensdorfer Carnevals Club hat die Schulbank gegen die Showbühne getauscht – und liefert Unterricht der ganz besonderen Art.

Von Anett Roisch Aktualisiert: 16.02.2026, 16:27
Fast die gesamte närrische Familie des WCC versammelt sich auf der Bühne – ein farbenfrohes Bild voller Emotionen, Zusammenhalt und tosendem Applaus.
Fast die gesamte närrische Familie des WCC versammelt sich auf der Bühne – ein farbenfrohes Bild voller Emotionen, Zusammenhalt und tosendem Applaus. Foto: Anett Roisch

Wassensdorf - „Für Frieden und Sozialismus – seid bereit!“ – „Freundschaft!“ Mit diesem Pioniergruß beziehungsweise mit dem offiziellen Gruß der Freien Deutschen Jugend (FDJ) katapultierte der Wassensdorfer Carnevals Club (WCC) seine Gäste direkt zurück in die Schule der DDR-Zeit.

Die Event-Arena „Zum Storch“ verwandelte sich in die „Zampanus-Gesamtschule“, und das Publikum machte begeistert mit: FDJ-Hemden, Pioniertücher, Zöpfe, Kniestrümpfe – selten war der Dresscode so konsequent umgesetzt.

Auftakt beim WCC: Schulstart mit Pioniergruß

Aufgeregt und voller Vorfreude: Die Mini-Funken des Wassensdorfer Carnevals Clubs stimmen sich hinter den Kulissen auf ihren großen Auftritt ein.
Aufgeregt und voller Vorfreude: Die Mini-Funken des Wassensdorfer Carnevals Clubs stimmen sich hinter den Kulissen auf ihren großen Auftritt ein.
Foto: Anett Roisch

Die Mission des Abends: „Gemeinsam starten wir in einen spannenden Schulalltag voller interessanter Themen, Herausforderungen und Erlebnisse.“ Dass ausgerechnet Vereinschefin und Moderatorin Simone Hintersdorf krankheitsbedingt passen musste, gehörte allerdings nicht zum Lehrplan. Doch ihr Porträt hing als Schulgeist an der Wand – wachsam und allgegenwärtig. Für alle Aktiven war klar: Die Show muss weitergehen!

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Feuriger Auftritt der „Hüpfer“: In leuchtend roten Kostümen wirbeln die Tänzerinnen über die Bühne und setzen mit Temperament und Präzision glanzvolle Akzente.
Feuriger Auftritt der „Hüpfer“: In leuchtend roten Kostümen wirbeln die Tänzerinnen über die Bühne und setzen mit Temperament und Präzision glanzvolle Akzente.
Foto: Anett Roisch

Und die Show begann mit einer Durchsage von Frank Hintersdorf, der als Referent vom Ministerium für Bildung ganz trocken mitteilte, dass die Fächer Physik, Geschichte und Geografie ersatzlos ausfallen – wegen Burnout, Schwangerschaft und Rücken. Prioritäten setzen kann diese Schule. Wer mit der Freizeitgestaltung unzufrieden war, konnte im Obergeschoss chillen, im Untergeschoss an Spielkonsolen zocken oder – ganz pragmatisch – „zum Döner gehen“.

Lehrerkollegium außer Rand und Band: Statt Kreide und Korrekturen gibt es flotte Schritte und große Show – die tanzenden Lehrer sorgen für Stimmung im Saal.
Lehrerkollegium außer Rand und Band: Statt Kreide und Korrekturen gibt es flotte Schritte und große Show – die tanzenden Lehrer sorgen für Stimmung im Saal.
Foto: Anett Roisch

„Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, die Schule zu einem Ort des Lernens, der Freude und des Miteinanders zu machen“, tönte es feierlich aus dem Lehrerkollegium, verbunden mit den besten Wünschen für einen erfolgreichen „Schultag“. Statt der Schulglocke erschallte jedoch das dreifache „Rape dik up!“ – und schon wirbelten die Tänzerinnen und Tänzer in neuen Kostümen über die Bühne.

Mitten im Geschehen: Das Publikum feiert, lacht und klatscht begeistert mit – und wird selbst Teil des närrischen Schulprogramms.
Mitten im Geschehen: Das Publikum feiert, lacht und klatscht begeistert mit – und wird selbst Teil des närrischen Schulprogramms.
Foto: Anett Roisch

Show in Wassensdorf: Lehrerkollegium sorgt für Lachsalven

Durch das Programm führte Schuldirektorin Gisela Mottenreiher (Susanne Reinecke) – eine Respektsperson mit Hang zum Klebstoffstift, an dem sie verstohlen schnüffelte. „Jetzt geht’s los, wir sind nicht mehr aufzuhalten“, dröhnte es durch das Schulhaus.

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Das Männerballett als Hotdogs: Diese Einlage ist richtig heiß – mit würziger Choreografie, jeder Menge Humor und großem Applaus servierten die tanzenden Hunde beste Unterhaltung.
Das Männerballett als Hotdogs: Diese Einlage ist richtig heiß – mit würziger Choreografie, jeder Menge Humor und großem Applaus servierten die tanzenden Hunde beste Unterhaltung.
Foto: Anett Roisch

Und tatsächlich: Das Kollegium hatte es in sich. Eine strenge Englischlehrerin Frau H. (Sophie Hintersdorf), eine experimentierfreudige Chemielehrerin (Lisa Abagat), die für die Direktorin „neuen Stoff“ braute. Sportlehrer Axel Schweiß (Axel Scharnhorst) demonstrierte, wie Übungen garantiert nicht aussehen dürfen.

Hausmeister (Michael Klement; l.) rückte mit Praktikant (Rolf Gliemann) und schweren Geräten an.
Hausmeister (Michael Klement; l.) rückte mit Praktikant (Rolf Gliemann) und schweren Geräten an.
Foto: Anett Roisch

Bürgermeister und Ortschefin zu Gast beim närrischen Schulprogramm

Immer wieder spukte der Schulgeist durch die altehrwürdigen Gemäuer, kämpfte gegen das Chaos und rief zu Ordnung und Disziplin auf. Feuchter Keller, bröselnder Putz, eine Heizung mit Winterschlaf – die Mängelliste ist lang.

Beeindruckende Pyramide der „Funken“: Gemeinsam mit Yannick Hintersdorf bilden die Tänzerinnen eine kraftvolle, perfekt abgestimmte Formation – ein Höhepunkt voller Eleganz und Spannung.
Beeindruckende Pyramide der „Funken“: Gemeinsam mit Yannick Hintersdorf bilden die Tänzerinnen eine kraftvolle, perfekt abgestimmte Formation – ein Höhepunkt voller Eleganz und Spannung.
Foto: Anett Roisch
Wie Lach-Yoga funktioniert zeigen Sarah Feniuk als Schulsozialarbeiterin Sonnja Sonnemann und Hannah Miehe als Yoga-Lehrerin.
Wie Lach-Yoga funktioniert zeigen Sarah Feniuk als Schulsozialarbeiterin Sonnja Sonnemann und Hannah Miehe als Yoga-Lehrerin.
Foto: Anett Roisch

Kein Wunder, dass Bürgermeister Herr Schlank (gespielt von Yannick Hintersdorf), Ortsbürgermeisterin Quatsch (Sindy Kusian), Politesse (Sally Stolle) und Kämmerin (Nadine Hoppe) zur Schulbesichtigung anrückten. „Die Fenster sind undicht und die Klospülung läuft. Die Heizung bleibt kalt und die Lehrer sind alt“, klagte Mottenreiher. Doch Rettung nahte in Form eines gigantischen Sanierungspakets: „900 Milliarden Euro – zack durchs Parlament. Die Sanierung kann kommen. Wir packen es an!“, versprach der Bürgermeister Schlank augenzwinkernd.

Auch der echte Bürgermeister Marc Blanck (3.v.r.) und Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch (3.vl.) werden auf die Bühne gebeten. Blanck erscheint im Trainingsanzug – mit Sportbefreiung, versteht sich. Die Ortschefin zeigt sich begeistert vom „Schulprogramm“. Beide Stadtoberhäupter überreichen jeweils Knisterumschläge mit Geldscheinen für den Verein.
Auch der echte Bürgermeister Marc Blanck (3.v.r.) und Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch (3.vl.) werden auf die Bühne gebeten. Blanck erscheint im Trainingsanzug – mit Sportbefreiung, versteht sich. Die Ortschefin zeigt sich begeistert vom „Schulprogramm“. Beide Stadtoberhäupter überreichen jeweils Knisterumschläge mit Geldscheinen für den Verein.
Foto: Anett Roisch
Experiment mit Humor: Als Chemielehrerin sorgt Lisa Abagat mit ihrem „neuen Stoff“ für explosive Lacher und beste Unterhaltung im närrischen Klassenzimmer.
Experiment mit Humor: Als Chemielehrerin sorgt Lisa Abagat mit ihrem „neuen Stoff“ für explosive Lacher und beste Unterhaltung im närrischen Klassenzimmer.
Foto: Anett Roisch
Eric Rozok spielt nicht nur den Musiklehrer, sondern beeindruckt mit seinem Können auf dem Schlagzeug. Er ist ein Neuzugang, denn er gehört erst seit letztem Jahr zur Karnevalsfamilie.
Eric Rozok spielt nicht nur den Musiklehrer, sondern beeindruckt mit seinem Können auf dem Schlagzeug. Er ist ein Neuzugang, denn er gehört erst seit letztem Jahr zur Karnevalsfamilie.
Foto: Anett Roisch

Tanzgruppen „Hüpfer“ und „Hupfdohlen“ begeistern das Publikum

Eine Mutter (Nicole Reinecke) macht im Elternchat einen Getränkevorschlag. Im wahren Leben ist sie Erzieherin in einem Kindergarten.
Eine Mutter (Nicole Reinecke) macht im Elternchat einen Getränkevorschlag. Im wahren Leben ist sie Erzieherin in einem Kindergarten.
Foto: Anett Roisch
„Hört gut zu, hört gut zu. Jetzt kommt das singende Känguru“ dröhnt aus der Musikbox und ab geht die Polonaise.
„Hört gut zu, hört gut zu. Jetzt kommt das singende Känguru“ dröhnt aus der Musikbox und ab geht die Polonaise.
Foto: Anett Roisch
Volle Energie auf der Bühne: Zur Abschlussfeier greift die Schulleiterin (gespielt von Susanne Reinecke) zur Gitarre: Punk-Alarm beim Wassensdorfer Carnevals Club.
Volle Energie auf der Bühne: Zur Abschlussfeier greift die Schulleiterin (gespielt von Susanne Reinecke) zur Gitarre: Punk-Alarm beim Wassensdorfer Carnevals Club.
Foto: Anett Roisch

Bei der Abschlussparty gaben die Karnevalisten noch einmal alles. Selbst die Schuldirektorin flippte aus, griff zur Gitarre und schmetterte zum Ärzte-Hit „Junge“: „Und wie du wieder aussiehst, Löcher in der Hose und ständig dieser Lärm!“ Der Musiklehrer drosch dazu enthusiastisch aufs Schlagzeug.

Charleen Beule, Malin Thormeier, Hanna Werner und Antonio Beule gehören zu den „Hüpferlingen“ des Vereins.
Charleen Beule, Malin Thormeier, Hanna Werner und Antonio Beule gehören zu den „Hüpferlingen“ des Vereins.
Foto: Anett Roisch

Emotional wurde es bei der Verabschiedung der „Hupfdohlen“. Diese Tanzformation löst sich aus zeitlichen und familiären Gründen auf. „Seit Jahrzehnten prägt Sindy unseren Karneval. Sie hat unzählige Tänze geschaffen, die „Hupfdohlen“, „Minifunken“ und das Männerballett geformt und stand selbst immer mit voller Leidenschaft auf der Bühne. Ihr Engagement ist außergewöhnlich und hat Generationen bewegt“, erklärte Sandrina Hübe, stellvertretende Vorsitzende des WCC. Doch Sindy Kusian wird dem Verein treu bleiben – kreativ und präsent. „Es geht also weiter – nur anders. Dies gilt natürlich auch für alle anderen Mädels der Gruppe.“

Die „Hupfdohlen“ in Aktion: Mit schwungvollen Schritten, farbenfrohen Kleidern und jeder Menge Energie erobern die Tänzerinnen des WCC die Bühne – und begeistern das Publikum hautnah zwischen den Tischreihen.
Die „Hupfdohlen“ in Aktion: Mit schwungvollen Schritten, farbenfrohen Kleidern und jeder Menge Energie erobern die Tänzerinnen des WCC die Bühne – und begeistern das Publikum hautnah zwischen den Tischreihen.
Foto: Anett Roisch

Großes Finale: Rock, Emotionen und Standing Ovations

Im Finale sang die närrische Familie: „In Wassensdorf sind wir zuhause, egal ob jung oder alt, ob groß oder klein – wir halten zusammen in diesem Verein, sind kreativ, Familie und gute Freunde, tanzen singen, haben Spaß und schenken Freude ...“

Mit tosendem Applaus endete eine spektakuläre Reise in die Schulzeit – und mit Genesungswünschen an Vereinschefin. „Denn eines ist sicher: Diese Schule macht einfach Spaß“, betonte Gisela Mottenreiher.