Oschersleben l Wie sehr das Projekt die Gemüter der Oschersleber bewegt, zeigt sich unter anderem auf der Internet-Plattform Facebook. Schon vor Wochen war es dort zu einer Welle der Entrüstung gekommen. In den letzten Tagen war das erneut der Fall.

Kritische Stimmen der Bürger

Zur Erinnerung: Im April sollte sich der Stadtrat schon einmal mit dem Plan eines Investors beschäftigen. Es ging darum, auf einem Teil des Schützenplatzes einen Netto-Markt zu errichten. Zahlreiche Bürger kritisierten diesen Plan. Das Lesertelefon der Volksstimme stand nicht still.

Zunächst einmal wurde gerügt, dass über dieses Thema ohne öffentliche Diskussion abgestimmt werden sollte. Denn im April gab es aufgrund der Corona-Situation keine Stadtratssitzung im eigentlichen Sinn. Stattdessen tauschten sich Ratsmitglieder und Verwaltung schriftlich über die einzelnen Themen aus. Auch die Abstimmung erfolgte schriftlich.

Sauerei und Rückschritt

Leser vermuteten einen verspäteten April-Scherz, sprachen von einer „Sauerei“ und einem „absoluten Rückschritt für Oschersleben“. Zum einen wurde die Frage gestellt, wo in der Stadt künftig Zirkusveranstaltungen und Ähnliches stattfinden sollten. Ferner führten Bürger an, dass der Schützenplatz den Zugang zum angrenzenden Wiesenpark bilde. Durch einen Supermarkt würde das Flair zerstört. Anwohner befürchteten einen stärkeren Verkehr. Sogar eine Unterschriftenaktion wurde vorbereitet. In dieser Situation erklärte Investor Detlef Mispelbaum, dass er den Antrag zurückziehen wolle. „Das muss ich mir nicht antun“, sagte er mit Blick auf den massiven Widerstand.

Doch wider Erwarten war die Sache damit nicht erledigt. Stattdessen soll das Thema nun auf der nächsten Sitzung des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsausschusses beraten werden. Sie findet am Dienstag, 2. Juni, ab 17 Uhr im Rathaussaal statt.

Erstaunter Pressesprecher

Auf Nachfrage erklärte der städtische Pressesprecher Mathias Schulte, dass die Verwaltung über die Aussage des Investors gegenüber der Volksstimme erstaunt gewesen sei. Die Stadt habe Detlef Mispelbaum vorgeschlagen, das Thema zunächst im Bauausschuss und nicht direkt im Rat zu besprechen. Darauf sei der Investor eingegangen. Nach den Unterlagen der letzten Ratssitzung stellten die CDU- und die FUWG-Fraktion auch entsprechende Anträge.

Wie Mathias Schulte ausführte, bestehe am 2. Juni die Möglichkeit, das Projekt öffentlich vorzustellen und zu diskutieren. Allerdings sei mit Blick auf die Corona-Beschränkungen noch nicht klar, wie viele Besucher im Rathaussaal mit dabei sein könnten. Auf jeden Fall werde es aber eine öffentliche Sitzung geben.

Ein Recht zur Beratung

Nach der Beratung im Bauausschuss werde dann der Stadtrat entscheiden, was mit dem Schützenplatz geschehen sollte. In diesem Zusammenhang betonte Mathias Schulte: „Jeder, der einen Antrag stellen möchte, hat das Recht, dass darüber beraten wird.“ Das gelte auch, wenn sich öffentlicher Unmut abzeichne.

Doch offenbar hat Detlef Mispelbaum gar keinen Bedarf für eine weitere Diskussion. Nach dem Gespräch mit der Stadtverwaltung fragte die Volksstimme noch einmal bei ihm nach. Daraufhin erklärte der Investor klipp und klar: „Ich werde das Vorhaben nicht weiter verfolgen, es hat keinen Zweck. Ich merke, die Oschersleber wollen das nicht. Dann lassen wir das.“