Ausbau A14

A14-Brückenschlag: An der Elbe werden Nägel mit Köpfen gemacht

Startschuss an der A14-Trasse für die neue Elbbrücke im Norden von Sachsen-Anhalt. Sie verbindet Seehausen und Wittenberge, ist eine riesige Herausforderung für die Bauleute und kostet laut Plan 170 Millionen Euro.

Von Ralf Franke 12.05.2022, 19:06
Die Verantwortlichen der Deges haben  nicht nur den   Bau der neuen A14-Brückeüber die Elbe im Blick. Sie  kontrollieren stets den Zustand  der  B189-Brücke, damit die alte Stahlkonstruktion durch die Bautätigkeit nebenan nicht noch schneller verfällt, als das ohnehin der Fall ist.
Die Verantwortlichen der Deges haben nicht nur den Bau der neuen A14-Brückeüber die Elbe im Blick. Sie kontrollieren stets den Zustand der B189-Brücke, damit die alte Stahlkonstruktion durch die Bautätigkeit nebenan nicht noch schneller verfällt, als das ohnehin der Fall ist. Foto: Ralf Franke

Seehausen/Wittenberge - Die A14-Nordverlängerung wächst. Mit dem Brückenschlag über die Elbe ist am Donnerstag (12. Mai) der Startschuss für den teuersten und wohl anspruchsvollsten Abschnitt gefallen. Bauexperten von Deges erläutern, warum:

Zwischen Seehausen in der Altmark und Wittenberge in der Prignitz werden jetzt Nägel mit Köpfen gemacht. Der optische Vergleich mit den Nägeln ist gar nicht so weit hergeholt, nur dass es sich in dem Fall um XXL-Versionen handelt. Sie bestehen neben Stahl vor allem aus Beton und sind mit rund 20 Metern ein gewaltiges Stück länger. Als sogenannte Gründungspfähle müssen diese „Nägel“ einmal Lasten Halt geben, die die Vorstellungen von Otto-Normalverbraucher sprengen dürften.

Spatenstich für länderübergreifendes Verkehrsprojekt, dem größten im Osten von Deutschland

Vor anderthalb Jahren stießen Vertreter vom Bund sowie den Ländern Berlin-Brandenburg und Sachsen-Anhalt symbolisch die Spaten für den Start der Bauarbeiten des A14-Abschnittes zwischen Seehausen-Nord und Wittenberge in die Erde. Vor vier Wochen erteilte die Degus (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) nach der Ausschreibung den Auftrag für die Elbebrücke.

Es folgten umfangreiche Vorarbeiten, die vor allem der Schaffung von Baufreiheit, dem Einsatz der Archäologen und dem Naturschutz geschuldet waren. „Jetzt materialisiert sich das Brückenprojekt.“ So formulierte es gestern Holger Behrmann von der Deges.

A14-Brückenbau wird am Ende auf 24 Fundamenten getragen

Während der Straßenbau sozusagen zum Tagesgeschäft der Beteiligten gehört, ist diese Brücke in jeder Beziehung eine besondere Herausforderung. Mit gut einem Kilometer Länge quert sie nicht nur den Strom, sondern führt über etwa 700 Meter in Richtung Deich. Die weiträumige Senke steht unter Naturschutz und muss im Hochwasserfall die Elbefluten aufnehmen.

Die Vorlandbrücke wird an Ort und Stelle aus Spannbeton in Teilstücken gegossen. Am Ende liegt der Bau auf 24 Fundamenten, deren Standsicherheit jeweils von 17 Pfeilern gewährt werden soll. Den derzeitigen Bohrungen kommt übrigens eine besondere Bedeutung zu. Denn die sollen im Idealfall das Baugrundgutachten bestätigen.

Geplante Kosten für 400 Meter lange Elbstrombrücke belaufen sich auf 170 Millionen Euro

Die Stahlkonstruktion für die etwa 400 Meter lange Strombrücke wird auf Wittenberger Seite vormontiert und in vier Abschnitten mit Hilfe von riesigen Pontons über den Fluss eingeschoben. Dass beide Fahrbahnen für sich gebaut werden, erleichtert das Prozedere, sorgt aber auch dafür, dass das Land beziehungsweise das Wasser unter der Autobahn über die ganze Breite aus vier Fahrspuren, Rand- und Mittelstreifen nicht in völliger Dunkelheit versinkt.

Die Brücke ist mit geplanten Kosten von 170 Millionen Euro der teuerste Teil des fast neun Kilometer langen A14-Abschnittes Seehausen/Nord-Wittenberge. Mit Blick auf die aktuelle Lage lässt Behrmann durchblicken, dass es bei einigen Materialposten eine Klausel gibt. Die besagt, dass die Baufirma bei Problemen wegen weltwirtschaftlicher Wirren nicht allein gelassen werden soll.

Die Zeit drängt für die 50 Jahre alte Elbbrücke auf der Bundesstraße 189

Die Fertigstellung ist für 2025 geplant und gilt für die dringend nötige Sanierung der B189-Brücke als gesetzt. Bei der fast 50 Jahre alten Elbbrücke schreitet der Verfall schneller voran, als befürchtet. Die Höchstgeschwindigkeit wurde dort auf 50 km/h reduziert, um Erschütterungen zu vermeiden.

Eine Vorsichtsmaßnahme, die auch Planer und Baufirma beim A14-Brückenschlag immer im Auge haben müssen. Aus dem Grund werden zum Beispiel die Löcher für die Brückenpfähle mit aller Vorsicht gebohrt und die Spundwände für den Bau der mittleren Brückenpfeiler im Fluss nicht gerammt, sondern gedrückt.

Die Verantwortlichen von Deges für die A14-Elbbrücke (von links):  Björn Jeworowski, Kathrin Fiedler und Holger Bergmann.
Die Verantwortlichen von Deges für die A14-Elbbrücke (von links): Björn Jeworowski, Kathrin Fiedler und Holger Bergmann.
Foto: Ralf Franke