Arneburg/Goldbeck l David Reinecke übernimmt aktuell Aufgaben in der von Simone Kuhl- mann geleiteten Abteilung Bürgerdienste und Gemeindeentwicklung im Arneburger Rathaus. Der 41-Jährige begann seine Umschulung bei der Verbandsgemeinde zusammen mit den neuen Auszubildenden zum 1. August, ist erst rund drei Wochen an Bord. Dass er einmal eine Umschulung zum Verwaltungsfachangestellten absolvieren wird, war lange Zeit für ihn undenkbar. Die Frage stellte sich auch nicht: Denn David Reinecke war in seinem Job als Fotograf sehr glücklich.

Sechs Jahre und oftmals sieben Tage in der Woche arbeitete er als selbstständiger Fotograf. Bis zum 1. August 2017. Ein Tag, der sein Leben verändern würde. Das Herz von David Reinecke setzte aus. „Es war am Nachmittag“, blickt er zurück. „Wir saßen noch in einer Runde zusammen, haben Kuchen gegessen und erzählt.“ An alles weitere kann sich der junge Mann nicht mehr erinnern. Er fiel um – Herzstillstand. „Ohne vorherige Anzeichen“, sagt er. Nach drei Wochen im künstlichen Koma begann für ihn das zweite Leben. Natürlich zuerst mit der Frage: Was ist passiert?

David Reinecke fasste schnell neuen Lebensmut, auch wenn der Anfang sehr schwer fiel. Zunächst musste er zum Fortbewegen den Rollstuhl benutzen, dann den Rollator. Und dann klappte es Schritt für Schritt mit dem Gehen besser. Natürlich fragte er sich auch, wie das alles passieren konnte. „Ich habe mich gesund ernährt, rauche und trinke nicht.“ Trotzdem kam er zum Entschluss, dass die Arbeit der Risikofaktor war. „Das war vielleicht doch ein wenig zu viel.“ Sieben Tage in der Woche nahm der Fotografen-Job ihn in Anspruch. „Klar hat das Spaß gemacht.“ David Reinecke war an den Wochenenden oft ausgebucht und aufgrund seiner Tätigkeit beispielsweise Gast auf Hochzeitsfeiern.

Job an den Nagel

David Reinecke hängte den Job an den sprichwörtlichen Nagel. Und schaute – noch nicht im Arbeitsleben angekommen – optimistisch in die Zukunft. „Ich hatte Glück!“ Er gehört zu den fünf Prozent, die solch einen Herzstillstand überlebten. „Wäre dies am Abend passiert, wäre ich vermutlich allein im Büro gewesen“, möchte er dieses Szenario nicht weiter ausmalen.

„Ich habe früher schon positiv gedacht. Nun noch mehr“, hatte der Schicksalsschlag Auswirkungen auf ihn. Mit neuem Lebensmut im Rücken wollte er auch wieder im Arbeitsleben Fuß fassen. Und da seine Freundin in der Verwaltung tätig ist, „probierte ich es auch“. Zunächst als Praktikant beim Landkreis in Stendal. Dort wuchs der Wunsch, den Beruf zum Verwaltungsfachangestellten zu erlernen. Mehrere Bewerbungen folgten. Schon bei der Einladung zum Bewerbungsgespräch bei der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck herrschte große Freude, nach der Zusage natürlich noch größere. Seit 1. August gehört er zum Verwaltungsteam. Sein Ziel: „Das Bestmögliche geben und viel lernen.“ In den kommenden zwei Jahren durchläuft David Reinecke, der in Tangerhütte wohnt, die Bereiche in Arneburg und Goldbeck. Der Einstieg lief schon mal nach Wunsch. „Die Arbeit ist interessant und vielseitig.“ Aktuell steht die Aufarbeitung von Bauanträgen auf der Tagesordnung. Parallel zur Praxis wird er auch die Berufsschule in Stendal besuchen.

An Arneburg hat er zudem sehr gute Erinnerungen. „Als Kind war ich öfter hier bei meinen Großeltern zu Besuch.“ Bei David Reinecke hat sich in den vergangenen zwei Jahren einiges geändert. Die Fotografie ist indes ein Teil seines Lebens geblieben, sie ist ein schönes Hobby, dem er ab und an nachgeht.