Stendal l Hobbykünstler... Schwingt in diesem Wort nicht so ein süffisant-abwertender Unterton mit? Mag sein – für die 26 Aussteller, die ihre Werke seit Dienstagabend in der Kleinen Markthalle zeigen, ist ihre Kunst aber eben genau das: Hobby. Sie malen, kreieren, schaffen Individuelles aus Leidenschaft; es ist ihnen Bedürfnis und sie haben darin eine Ausdrucksform gefunden. Und egal, ob nun professionell und vermarktungsorientiert oder eben amateurhaft und aus Spaß an der Freude – letztlich geht es ja bei Kunst darum, etwas auszudrücken, Ideen eine Form zu geben.

Idee steckt im Holz

Bei Hotte Kath münden die Ideen in geschnitzte Holzfiguren, beziehungsweise holt er die Ideen aus dem Holz heraus, wie er es nennt. Dazu brauche man drei Dinge: „Gutes Holz, gutes Werkzeug und eine gute Hand.“ Alles drei hat der 69-jährige Arneburger ganz offensichtlich – die in Form und Ausdruck so unterschiedlichen Figuren, die er ausstellt, haben Charakter. „Mir macht das einfach unheimliche Freude, ich kann gar nicht anders“, sagt der gelernte Tischler und studierte Psychologe über sein Kunsthandwerk. Davon leben? „Das ist brotlose Kunst“, meint er nüchtern-realistisch. Diese sachliche Erkenntnis schmälert aber nicht sein Schaffensvergnügen. „Wenn man dabei ist, versinkt man im Holz, es ist ein schönes Hobby.“ Seine drei figürlichen Stücke sind beinahe die Ausnahme, die Mehrzahl der ausgestellten Werke sind Malerei.

Gedanke wird zum Bild

Es ist die erste derart umfassende und facettenreiche gemeinsame Schau von Hobby-Künstlern der Altmark. Sie findet im Rahmen der Theater-Veranstaltungsreihe „Wunderbar“ statt. Genau dieses Attribut spricht auch aus dem strahlenden Gesicht der Organisatorin Eva Vogel. Die war ganz verblüfft über die Resonanz: „Erst heute Morgen habe ich gerade noch ein neues Bild aufgehängt. Nun haben wir 56, ich bin begeistert.“ Ablehnen wollte und musste sie denn auch niemanden.

Bilder

Malen ist Bedürfnis

Einige der Namen hat man in der Region schon öfter gehört, sei es Michaela Herbst, Ines Nilson oder Ursula Potratz, andere sind unbekannt. So wie zum Beispiel Claudia Rosin. Die 32-Jährige ist vor zwei Jahren aus Berlin nach Bittkau gezogen und hat irgendwann „spontan angefangen zu zeichnen“. Die positive Resonanz auf ihre Ergebnisse hat sie darin bestärkt, künstlerisch aktiv zu werden. „Malen ist ein Bedürfnis geworden“, sagt die freiberufliche Lichttechnikerin, „es ist einerseits Ruhe, andererseits kann ich so mein Inneres zeigen. Ich denke ohnehin viel in Bildern.“

Im Kurs gelernt

Das gemalte Bild ist auch für Helga Gießmann aus Sandau ein Spiegel ihrer Ideen, Gedanken und Eindrücke. Seit sechs Jahren ist die 67-Jährige in einem Malkurs, schätzt den Austausch dort und kann sich trotz der Anwesenheit anderer Menschen dabei ganz entspannen. Am liebsten mal sie mit Ölfarben, und am liebsten offenkundig bunt. Sie ist ganz zufrieden mit sich: „Mein Flur zu Hause ist eine Galerie“, sagt sie lachend und zeigt ein paar Fotos auf ihrem Handy. In Stil und Kunstrichtung legt sie sich nicht fest, „da geht alles durcheinander“.

Von ungelenk bis eruptiv

Die Lust am Sich-Ausprobieren, der Mut zum Versuch, der Impuls zum ersten Pinselstrich – all dies verbindet die Hobby-Künstler, die sich in der Ausstellung der Öffentlichkeit zeigen und damit auch dem kritischen Blick aussetzen. Die einen, das bleibt nicht verborgen, trauen sich noch nicht genug, bewegen sich in schulstarren Strukturen, manches wirkt ungelenk; die anderen haben ihren persönlichen Stil gefunden, lösen sich von naturalistischer Strenge, wagen eine expressionistische Eruption. Die einen ahmen nach, die anderen vermengen die Techniken, wieder andere gehen eigene Wege – eben jeder, wie er mag. Die Kunst ist für sie Hobby – und aus ihrem Hobby wird Kunst.

Zu sehen ist sie noch bis Dienstag, 3. Juli: Montag-Freitag 9-16 Uhr, Eintritt frei.