Wernigerode l Ein riesiger Bagger schaufelt Erdreich und Steine auf einen Laster. Das sorgt weit und breit für die entsprechende Geräuschkulisse in Wernigerodes Breiter Straße. Und Staubwolken bleiben dabei nicht aus. Außerdem ist der Abschnitt zwischen der Grünen Straße und Großen Schenkstraße bis voraussichtlich Mitte November 2018 voll gesperrt.

„Ich habe Angst um meine Existenz. Die Arbeiten dauern zu lang. Früher, zu DDR-Zeiten, hat man das trotz weniger Technik in einem Jahr geschafft. Diese Arbeiten haben 2017 begonnen und sollen bis 2020 dauern“, klagt Fleischerei-Inhaber Björn Meister. Weiter spricht er von „happigen Einbußen“, denn sein Geschäft sei vom Durchgangsverkehr abhängig. „Uns können keine Kunden anfahren. Manche bekamen fürs Falschparken einen Strafzettel, denn die Politessen schreiben fleißig. Sie könnten ruhig eine Kulanz von zehn Minuten einräumen“, wünscht sich Meister. Die traditionsreiche Fleischerei geht bis ins Jahr 1896 zurück, damals unter dem Namen „Steinkopf“. Seit 1935 heißt sie Meister.

Staub legt sich auf Kleider

Betroffen ist auch Hai Yen Nguyen. Sie hat im derzeitigen Bauabschnitt ein Textilgeschäft samt Änderungsschneiderei. „Jetzt kommen hier keine Touristen und Kunden mehr. Es ist alles schlecht. Wie soll man von so wenig Umsatz noch die Ladenmiete bezahlen?“, fragt sie. Nicht nur der Lärm sei störend. Der Staub lege sich über die Textilien in den Auslagen vor dem Geschäft.

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Über einen zu schmalen Bürgersteig beklagt sich Sabine Langer, Angestellte des Fachgeschäftes „Mode Express“. Vor allem Rollstuhfahrer sowie Personen mit Rollatoren hätten hier große Schwierigkeiten. Sie räumt aber ein: „Unsere Kunden haben sich an die derzeitigen Verhältnisse gewöhnt. Die alten Leitungen unter der Erde müssen einfach mal erneuert werden, und das kann nicht in der Nacht geschehen.“ Desweiteren sehe anschließend die Straße schöner aus.

Umsatzeinbußen

„Auch wir haben Umsatzeinbußen, denn es kommen keine Touristen mehr. Zum Glück gibt es noch unsere Stammkundschaft“, sagt Marion Merkel, Inhaberin des Feinkost- und Spirituosengeschäftes „Alles-Füllbar“. Extrem seien nicht nur der Lärm sowie Staub, sondern auch der Kraftstoffgestank der Baufahrzeuge. Wichtig sei für Merkel, dass die Arbeiten im Zeitrahmen bleiben.

„Es ist so laut, dass man die Tür nicht mal aufmachen kann. Außerdem gibt es nun keine Parkmöglichkeiten. Deshalb haben wir weniger Kundschaft“, berichtet Maria Büchner, Mitarbeiterin des Optikergeschäftes „Brillen Ulrich“. Über Probleme bei der Warenanlieferung spricht eine Angestellte der Neustadt-Apotheke. „Die schweren Kisten müssen nun bis zur Tür getragen werden. Und kommen vor der Apotheke die Fußwege an die Reihe, ist kein rollstuhlgerechter Zugang mehr möglich.“ Ebenso werde es für Kinderwagen schwierig.

Unwetter verlängerten Bau

Ähnliche Probleme sah Petra Fügemann, Inhaberin des gleichnamigen Kosmetikstudios. „In unserem Straßenbereich gab es 2017 den ersten Bauabschnitt. Weil die Kundschaft hier nicht mehr parken konnte, mussten wir Hausbesuche machen.“ Jetzt sei wieder alles in Ordnung. Nur Werbeschilder könnten derzeit auf der Straße nicht aufgestellt werden.

Erneuert werden Gas-, Wasser- und Elektroleitungen. Ebenso kommen Schmutz- sowie Regenwasserkanäle samt Hausanschlüsse an die Reihe. Desweiteren sollen Fahrbahn und Gehwege eine neue Decke bekommen. 2017 sorgten Unwetter sowie Hochwasser beim ersten Bauabschnitt für Verzögerungen.