Brocken/Silstedt l Havarierte Busse oder Lkw bergen? „Reine Routine“, sagt Jens Pfeiffer. Einen Hubschrauber abzutransportieren – dazu noch vom Brocken – sei für ihn und seinen Abschleppservice Wernigerode PTP dagegen eine Premiere. Ein Kran des Silstedter Unternehmens machte sich am Montagnachmittag auf den Weg zum höchsten Berg Norddeutschlands, um dort einen Rettungshelikopter des Allgemeinen Deutsche Automobil-Clubs (ADAC) zu verladen.

Rückblende: Der Gelbe Engel vom Typ EC 135 mit dem Namen Christoph 30 war am Sonnabend von der ADAC-Luftrettungsstation Wolfenbüttel gestartet. Die Helfer sollten auf dem Brocken eine Frau mit massiven Kreislaufproblemen behandeln. „Bei der regulären Landung wurde ein technischer Defekt durch die Instrumente angezeigt, so dass der Hubschrauber nicht mehr starten durfte“, teilt eine ADAC-Sprecherin auf Volksstimme-Anfrage mit. Die Patientin sei am Boden versorgt worden.

Problem für den Rettungshubschrauber: Er durfte nicht wieder starten. „Um die Anzeige eines technischen Defekts vor Ort beurteilen und gegebenenfalls beheben zu können, müssen Windgeschwindigkeiten unter zehn Knoten herrschen“ , erläutert die Sprecherin der ADAC-Luftrettung. Die sei auf dem 1141 Meter hohen Harzgipfel „so gut wie nie der Fall“. Am Sonntag kam in Wolfenbüttel eine Ersatzmaschine zum Einsatz.

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Kran und Tieflader über Brockenstraß

Deshalb hieß es am Montagnachmittag schließlich Einsatz in luftiger Höhe für ein Rettungsteam. Dazu gehörten neben dem Abschleppservice aus dem Wernigeröder Ortsteil der Spediteur Eckard Malkowsky aus dem Vorharz-Ort Hedersleben, zwei Techniker und ein Rettungssanitäter des Automobilclubs. „Das Komplizierteste waren die An- und Abfahrt über die Brockenstraße mit ihren Haarnadelkurven“, berichtet Pfeiffer.

Sein Fahrzeug sei um 13 Uhr vom Hof in Silstedt gestartet. Nachdem die Rotorblätter des Hubschraubers abmontiert waren, nahm der Kran den mehr als 3,5 Tonnen schweren Flieger an seinen Haken und setzte ihn sicher auf dem Tieflader des Transportunternehmens aus Hedersleben ab. „Einen Lkw oder Bus abzutransportieren ist wesentlich kniffliger“, schätzt der Abschlepp-Spezialist ein. Auch dank der ADAC-Techniker habe die Rettung des Rettungshubschraubers reibungslos funktioniert. Dieser sei inzwischen in den Wartungshangar des ADAC nach Bonn-Hangelar gebracht worden, so Pfeiffer. Sein Kran sei gegen 18 Uhr wieder in Silstedt eingetroffen.

Für das Ungetüm, das bis zu 40 Tonnen Gewicht heben kann, sei der Brocken ebenso wenig Neuland wie für sein Unternehmen, berichtet der Fachmann. „Für die Sanierung der Aussichtsplattform vom Brockenhaus ist der Kran schon oben gewesen“, sagt der Silstedter über das zehn Jahre alte Gerät, das bei  Bergungen und auf Baustellen eingesetzt wird. Sein Unternehmen habe auch schon Krankenwagen vom sagenumwobenen Berg abgeschleppt. „Aber ein Hubschrauber ist bislang einzigartig für uns.“