Minsleben l Ist das neue Feuerwehr-Gerätehaus in Minsleben hochwassergefährdet? Diese Frage stellt sich Christian Schäfer, Bewohner des Wernigeröder Ortsteils. Die ehemalige Treppenbaufirma, die zum neuen Feuerwehr-Domizil umgebaut werden soll, steht in der Straße Petersberg – ganz in der Nähe von Holtemme und Barrenbach. Der Bereich liegt laut dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz im festgelegten Überschwemmungsgebiet der Holtemme, also jenem Gebiet, das im Falle einer Flut den schadlosen Abfluss des Wassers gewährleisten soll.

Christian Schäfer hält die Standortauswahl mit Blick auf die zunehmende Häufigkeit von Hochwasser- und Stark-regenereignissen für „fragwürdig“. Der Minslebener ist, was das Thema Hochwasser angeht, nicht unbeleckt. Seit 2001 engagiert er sich ehrenamtlich beim Technischen Hilfswerk in Halberstadt, ist seit 2015 sogar einer der technischen Berater für Hochwasserschutz und Deichverteidigung im Ortsverband.

Schäfer befürchtet, dass die Stadt bei ihren Planungen für das neue Gerätehaus die Kosten für den Hochwasserschutz überhaupt noch nicht berücksichtigt hat. „Entweder aus Unkenntnis des Risikos oder aus einer fehlerhaften Abwägung zwischen möglichen Kosten und dem gegenüberstehenden Risiko“, so der Minslebener. Kein privater Bauherr würde auf „solch einer risikobehafteten Fläche“ ein Bauvorhaben realisieren. Eine Missachtung der Hochwassergefahr könnte „fatale Folgen“ haben, sorgt sich Schäfer. Im günstigsten Fall würde nur Sachschaden entstehen.

Bilder

Planungen für Barrenbach sind vorgesehen

Im Wernigeröder Rathaus ist man sich der Hochwassergefahr in dem Ortsteil durchaus bewusst. Es gebe eine „Schwachstelle für den Bereich Minsleben“, heißt es auf Volksstimme-Nachfrage von Daniel Dietrich. Wie der Mitarbeiter des Bauamtes informiert, ergibt sich die Gefährdung für den Petersberg und damit auch für das neue Gerätehauses allerdings nur bei einem Hochwasser ab einer „mittleren Wiederkehrswahrscheinlichkeit von schätzungsweise 50 Jahren“. Probleme seien daher nur bei starken Unwetterereignissen zu erwarten. Zudem hätte es laut Dietrich seit Bestehen der ehemaligen Tischlerei keine Überflutungen gegeben – auch bei der Juliflut im Jahr 2017 nicht. Das spreche für eine „ausreichende Hochwassersicherheit“.

Videos

Unabhängig vom Bau des neuen Geräteshauses sei einiges an Hochwasserschutz am Barrenbach geplant. Die Stadt habe für alle Gewässer zweiter Ordnung ein Hochwasserschutzkonzept erarbeiten lassen. Daraus werden auch „konkrete Maßnahmen“ für den Barrenbach entwickelt. Laut Daniel Dietrich sind Anpassungen am Ausbau des Baches und am vorhandenen Hochwasserumfluter möglich. Davon würde auch das zukünfrige Feuerwehr-Gerätehaus profitieren. Auf dem Gelände und an dem Gebäude seien keine weiteren Sicherungen vorgesehen. Für den Umbau selbst seien deshalb auch keine zusätzlichen Kosten notwendig. Bis zur Umsetzung des Hochwasserschutzes am Barrenbach könne das Gebiet im Falle einer Flutung mit Pumpen, Sandsäcken und Schutzschläuchen gesichert werden, so der Bauamtsmitarbeiter.

600 Meter langer Deich ist geplant

Für die benachbarte Holtemme ist nicht die Stadt Wernigerode, sondern der Landesbetrieb für Hochwasserschutz zuständig. Die „erforderlichen Maßnahmen“ für Minsleben seien bereits ermittelt, informiert Flussbereichleiter Christoph Ertl. „Dazu zählen die Errichtung eines 600 Meter langen Deiches, die Ertüchtigung einer 30 Meter langen Ufermauer sowie das Abflachen eines Uferbereiches, so Ertl. Die Planungen sollen noch in diesem Jahr beginnen. Die vorläufige Kostenschätzung liege bei etwa 380.000 Euro.

Hintergrund: Die Stadt Wernigerode hat für den Umbau der leerstehenden Werkhalle am Petersberg etwa 900.000 Euro eingeplant. Das Genehmigungsverfahren für die Arbeiten läuft. Mit Baubeginn ist frühestens im Herbst zu rechnen. Das neue Feuerwehr-Gerätehaus ist dringend notwendig, weil das alte Domizil viel zu klein für die Minslebener Wehr ist. In dem Gebäude am Krugberg gibt es keine separaten Umkleiden für Frauen und Kinder, nur eine Toilette und keine Duschen. Dazu kommt, dass die Gutachter der Feuerwehrunfallkasse seit Jahren Sicherheitsmängel anmahnen.