Wildtiere

Fuchsplage in Wernigerode

Nicht erst seit Corona machen sich Wildtiere in Städten breit. In Wernigerode streunen Füchse durch ein Wohngebiet und untergraben Garagen.

Von Holger Manigk

Wernigerode l In der Abenddämmerung werden sie aktiv: Mehrere streunende Füchse sorgen seit einigen Wochen für Verunsicherung im Wernigeröder Wohnquartier Bodengarten. Von einer „echten Plage“ berichtet Anwohner Albert Alten.

Die roten Pelztiere zögen in Familien zwischen den Wohnhäusern umher und wühlten unter Garagen ihre Baue. Er habe selbst schon zum vierten Mal binnen weniger Wochen ein Loch unter seiner Garage zugeschüttet und nun eine Papiermülltonne davor aufgestellt – „damit endlich erstmal Ruhe ist“, sagt der Wernigeröder.

Was den Bewohner des Johannishöfer Wegs und seine Nachbarn besonders besorgt: Sie befürchten, dass die anpassungsfähigen Räuber Krankheiten wie Tollwut übertragen könnten. Zumal sie die Scheu verlören. „Seit Beginn der Corona-Krise – und den damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens und des Verkehrs auch in unserem Viertel – sieht man sie immer häufiger“, erläutert Alten. Anrufe bei Tierärzten und anderen Stellen hätten bislang nichts gebracht.

Wie Rathaus-Sprecher Tobias Kascha bestätigt, hat in dieser Woche ein Anruf zum Problem den Stadtförster und das Büro des Oberbürgermeisters erreicht. „Die Raubwildabwehr obliegt dem privaten Grundstückseigentümer und kann relativ einfach mit Vergrämungsmitteln erfolgen“, erläutert Kascha. „Ich hatte dazu auch Kontakt mit einem Anwohner, dem ich diese Maßnahme empfohlen habe. Der Hinweis wurde dankend aufgenommen und soll umgesetzt werden.“

Weiterhin empfiehlt der Sprecher der Stadtverwaltung den Betroffenen, ihr Verhalten anzupassen: So seien zum Beispiel geschlossene Komposthaufen hilfreich, um den pelzigen Überlebenskünstlern keine Nahrungsgrundlage zu bieten. Dazu gehöre auch, keine Essensreste im Garten zu lagern und offene Fütterung von Haustieren im Freien zu vermeiden. Manchmal würden Füchse sogar gefüttert, berichtet Kascha. „Das bitte unterlassen!“ Weiter beraten und gegebenenfalls eingreifen könne ein Schädlingsbekämpfer.

„Dass Wildtiere als Kulturfolger, die ihrem Instinkt folgen, in das bewohnte Stadtgebiet ziehen, ist leider nichts neues“, ergänzt Kascha und erinnert an die Wildschweinplage in Hasserode, die sich bis ins Frühjahr 2018 hinzog.

Die Schwarzkittel aus Wäldern links und rechts der Friedrichstraße plünderten auf Nahrungssuche Grundstücke und Gärten. Damals ging die Stadtverwaltung mit dem Vergrämungsmittel Repelan und Fallen gegen die Borstentiere vor. Ebenso kursieren in Wernigerode immer wieder Meldungen von Waschbären, die Beete zerwühlen und sich am Inhalt von Mülltonnen vergreifen.

Auf die Angst der Bodengarten-Bewohner vor Ansteckung mit Krankheiten entgegnet Wernigerodes Rathaus-Sprecher: „Der Landkreis ist seit Jahren tollwutfrei.“ Zur Kontrolle dieses Status‘ würden regelmäßig tote Füchse eingeschickt, heißt es auf der Internetseite der Harzer Kreisverwaltung. „Eine Gefahr für die Öffentlichkeit geht in aller Regel von diesen Tieren nicht aus, insbesondere dann nicht, wenn das persönliche Verhalten entsprechend angepasst wird“, beruhigt Kascha weiter.

Der Rotfuchs unterliegt in Deutschland laut Bundesamt für Naturschutz keinen artenschutzrechtlichen Bestimmungen. Nach Angaben der Deutschen Wildtierstiftung sind die hundeartigen Raubtiere nicht bedroht, „sondern gehören zu den großen Gewinnern in unserer Kulturlandschaft“. In Großstädten haben sie sich rasant verbreitet. In den 1980er Jahren und Anfang der 1990er hatte Tollwutdie Bestände teilweise seuchenhaft dezimiert. Seit 2008 gilt Deutschland nach den Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit als tollwutfrei.