Planungsmängel

Kritik an Schierkes Arena-Dach

Die Wintersaison in der Feuerstein-Arena in Schierke ist bestens gelaufen. Probleme bereitete allerdings die Sonne, die aufs Eis schien.

Wernigerode/Schierke l Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Das ist auch beim Dach der Schierker Feuerstein-Arena so. So habe die Architekten bereits Preise für die äußere Erscheinung der Arena mit ihrer geschwungenen Dachkons­truktion gewonnen. Die Zweckmäßigkeit der Überdachung wirft allerdings Fragen auf. Dachlawinen, Beulen in der Membran. Und jetzt ist es der unzureichende Sonnenschutz, der für Ärger und für Diskussionen zwischen der Verwaltung und Wernigerodes Stadträten sorgt.

So ist es in Saison 2018/19 vorgekommen, dass die Sonne die Eisschicht angetaut hat und die Arena stundenweise aus Sicherheitsgründen geschlossen werden musste. Das Dach sei „ansehenswert“, und die Arena eine Bereicherung für den Ort, so Roland Jung (Bund Schierker Bürger) im Schierke-Ausschuss. „Aber mir ist unverständlich, warum die Arena geschlossen werden musste, weil in der Mittagssonne das Eis getaut ist“, so der Schierker.

Christian Härtel (Linke) legte nach. „Die Dachform ist so, dass die tiefstehende Sonne die Eisfläche zu 100 Prozent bestrahlt.“ Das preisgekrönte Dach habe „null Wirkung“. Der Sonnenstand im Winter hätte bereits bei der Planung festgestellt werden können, so Härtel weiter. „Das Dach hat uns viele Millionen zusätzlich gekostet, und es garantiert uns keinen durchgängigen Winterbetrieb. Das ist ärgerlich.“

Das Problem sei bereits mit dem Abholzen der natürlichen Beschattung entstanden, hieß es von Sabine Wetzel (Bündnis 90 /Die Grünen). „Und jetzt haben wir wieder zusätzliche Kosten, weil wir versuchen müssen, die Sonne auszusperren.“

Die Kälteanlage wird in der Feuerstein-Arena mit dem Kühlmittel Glykol betrieben. „Damit können wir unter Volllast auf minus 10 Grad runterkühlen“, erläuterte Arenachef Andreas Meling. Wenn allerdings die Sonne auf das Eis scheint, werde die obere Schicht weich. Es gebe andere Anlagen, die mit Ammoniak arbeiten und minus 30 Grad schaffen würden. „Aber eine Ammoniakanlage wäre nicht genehmigt worden – wegen der Nähe zur Bode und zum Trinkwassereinzugsgebiet.“ Die Arena sei open air, und „wir haben nun mal mit Wind und Witterung zu kämpfen“. Es sei eine „bewusste Entscheidung“ gewesen, keine Halle zu bauen, so Meling an die Stadträte gewandt. Das Problem könne tatsächlich nur gelöst werden, „wenn wir die Sonneneinstrahlung in Griff bekommen“.

Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) hat einem möglichen Sonnenschutz jedoch schon mal eine Absage erteilt. Er halte nichts davon, „mit großem Aufwand etwas zu errichten, das wir nur drei Tage im Jahr brauchen“. 22 Grad im Februar gebe es nicht jedes Jahr. Und die Wintersaison sei insgesamt sehr gut gelaufen. „Wenn es mal fünf Tage nicht funktioniert, ist das nicht schön. Aber man kann auch nicht sagen, es ist alles Murks.“

Wie Gaffert informierte, stehen in Kürze mit den Planern Gespräche über verschiedene Bau- und Planungsmängel der Sportstätte an. „Das ist nur in unserem Interesse“, so der Oberbürgermeister. „Die Arena hat viel Geld gekostet und soll ja ein paar Jahre halten.“

Hintergrund: Die Stadt Wernigerode hat die Arena für neun Millionen Euro erbauen lassen. Die Freizeitstätte wird auch von der Stadt betrieben. Weil Ausgaben für den Betrieb die Einnahmen übersteigen, muss die Stadt finanziell zuschießen. Der jährliche Zuschuss wurde von den Stadträten per Beschluss auf 200.000 Euro begrenzt.