Ilsenburg l Noch nicht einmal einen Monat ist es her, dass Isabel Gerlach auf den Hund gekommen ist. Innerhalb weniger Stunden wurde sie am 11. April völlig unverhofft zum Frauchen eines Chihuahuas. Zieht man die vielen Zufälle in Betracht, die den kleinen Hund zu der Ilsenburgerin gebracht haben, dann könnte man fast von Schicksal sprechen.

Pflegefamilie kurzfristig abgesprungen

„Ich habe von einer Freundin aus Wernigerode eine Nachricht bekommen, ob ich mir vorstellen könnte, einen kleinen Hund aufzunehmen“, sagt sie. Die bisherigen Besitzer waren vor Kurzem Eltern geworden, das Kind hat eine seltene, sehr schwere Hautkrankheit, wie sich erst nach der Geburt rausstellte. Ärzte hatten vom Kontakt zu dem Hund abgeraten. „Deshalb hatten die Eltern eine Pflegefamilie für den Hund gesucht und auch gefunden. Die waren aber am Tag, bevor das Kind aus dem Krankenhaus entlassen wurde, abgesprungen“, berichtet sie. „Innerhalb eines Tages musste Ersatz gefunden werden.“

Und so startete der Bekanntenkreis des Pärchens eine Rettungsaktion. Zahlreiche Nachrichten wurden geschrieben, Bilder vom Vierbeiner geschickt, um schnell einen Hundefreund zu finden, der dem Chihuahuarüden ein liebevolles Zuhause bietet. „Ich habe dann die Nachricht bekommen, das Foto gesehen und eine Stunde später war die Familie bei uns“, sagt die 33-Jährige. „Anderthalb Stunden später war Igor bei uns eingezogen. Und zwölf Stunden später hatte er sich eingelebt.“

Bilder

Den Namen hat der Mini-Hund von ihrem Sohn Ole. Vorher hieß Igor eigentlich Nero. Gerufen wird der wunschelige Vierbeiner schlicht Iggy. Zu Ole habe der Neuzugang innerhalb weniger Stunden Vertrauen gefasst. „Noch schneller als zu mir“, sagt die gebürtige Drübeckerin. Iggy sei absolut kinderlieb. „Deswegen fand ich auch die Rasse schon immer toll. Ein Tier bleibt ein Tier, ein Hund kann immer beißen. Aber bei meinem Chihuahua geht es anders aus als bei einem großen Hund.“

Null Problme mit Hund

„Null-Komma-Komma-Null-Probleme“ habe sie mit Igor seit dem 11. April – dem Tag, an dem er einzog – gehabt. Das Kuriose: Schon lange habe sie sich einen Chihuahua gewünscht. „Langhaarig undmit braunem Fell“, sagt sie. Eben so einen Hund wie Igor. Ihr Bruder Oliver hat bereits ein Exemplar der mexikanischen Rasse und eine Freundin aus Veckenstedt ebenso. „Von einer Züchterin aus Elbingerode“, sagt Isabel Gerlach. „Ich war schon mehrfach dort gewesen und begeistert.“ Leider seien reinrassige Tiere aus einer professionellen Zucht für eine Alleinerziehende kaum erschwinglich gewesen.

Kluger Vierbeiner mit guter Erziehung

„Toll ist an Iggy, dass er wirklich gut erzogen ist“, sagt sie. „Viele kleine Hunde werden von ihren Besitzern verhätschelt, meistens auf dem Arm getragen, denken dadurch, sie seien der Rudelführer und beißen. Und alle Welt findet es niedlich. Das ist bei Iggy ganz anders. Er ist unterwürfig und absolut integriert in den Alltag“, sagt sie.

Sie merke dem Hund an, dass er von seiner Familie in den zwei Jahren, die er dort gelebt hat, gepflegt und innig geliebt wurde. „Sie haben geweint, als sie ihn abgegeben haben. Aber es ist ja nur zur Pflege“, betont sie Ein halbes bis ein Jahr werde sie sich um Iggy kümmern. Wenn die Familie es möchte, auch länger.

In der kurzen Zeit, die Iggy in Ilsenburg wohnt, hat er schon viel kennengelernt: Er geht mit zu den Fußballturnieren ihres Sohnes – „und betritt nicht einmal den Fußballplatz“, staunt sie. Er kennt mittlerweile jeden seiner Nachbarshunde. „Er ist wahnsinnig schlau, hat ganz schnell herausgefunden, welche Hunde regelmäßig im Gebäude sind. Dann bellt er nicht.“

Den 3,9 Kilo schweren Vierbeiner wird Isabel Gerlach demnächst rund um die Uhr um sich habe können. „Ich fange im Mai einen neuen Job in einer Immobilien- und Baugesellschaft aus Ilsenburg an und darf ihn mit ins Büro nehmen“, sagt sie.

Einen Hund habe sie sich schon immer gewünscht, verrät sie. „Als ich klein war, wollte ich unbedingt einen Rottweiler haben. Meine Eltern haben mich auf einen Wellensittich runtergehandelt“, sagt sie und lacht. Moritz, den Hund ihrer Großeltern in Stapelburg, habe sie innig geliebt. Als er gestorben war, ging sie ins Tierheim Eckertal, führte doch Hunde aus, die kein Zuhause mehr hatten. „Ich habe noch als Hotelfachfrau gearbeitet, hatte kaum Geld und kaum Zeit“, erinnert sie sich. „Ab und zu bin ich mit einer Hündin Gassi gegangen. Und irgendwann fragte ich mich, warum diese neun Jahre alte, krebskranke Hündin niemand haben will.“ Sie nahm die kranke Hundedame bei sich auf, ließ sie behandeln, doch 2011, nach anderthalb Jahren wurde sie eingeschläfert. „Dann war ich sieben Jahre ohne Hund.“ Nach dieser Zeit habe sie sowieso einen Hund für die Familie gesucht – und nun auf so unkonventionelle Art gefunden.