Thale/Rübeland l Zwei Trennlinien zerschneiden derzeit die Region an der Rappbodestaumauer. Einerseits verläuft hier die unsichtbare Gemarkungsgrenze zwischen den Städten Thale/Wendefurth und Oberharz/Rübeland. Zum anderen prallen derzeit Meinungen zum Bau einer Harzdrenalin-Freizeitanlage auf Oberharz-Seite heftig aufeinander.

„Wir haben unser Nein und etwa 100 Unterschriften dazu an den Petitionsausschuss des Landtages geschickt und schon etwa 400 weitere Unterschriften dagegen gesammelt“, sagt Katja Nitsche aus Hasselfelde. Sie gründete mit Maik Breternitz und Jacqueline Beck (Blankenburg), Siegfried Zander (Wienrode), Mario Gropp aus Trautenstein und weiteren Harzern eine Interessengemeinschaft gegen das Vorhaben. „Erst ging es nur um neue Parkplätze, nun ist es schon eine ganze Freizeitanlage, das geht gar nicht“, sagt Breternitz.

Hauptkritikpunkt der Bürgerinitiative: Naturraum werde für noch mehr Gäste und einen Betrieb geopfert, den Landschaft und Tierwelt nicht vertragen – und der in der Größe auch nicht nötig sei.

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Angst vor Verlust der Ruhe in Hotel

Etliche Mitglieder der Interessengemeinschaft arbeiten im Hotelkomplex Zur Talsperre. „Wir kennen die Wünsche der Gäste nach Ruhe und Natur“, sagt Katja Apel, Chefin des Hotels Zur Talsperre. Massenaufläufe oder gar Krawall wie jüngst beim nächtlichen Treff unzähliger Anhänger der Tuningszene aus ganz Deutschland, so die einhellige Meinung, würden durch so eine große Freizeitanlage nur noch mehr angelockt.

„Wir haben diese Leute der Tuningszene, weil sie sich nicht Benehmen konnten, gar nicht erst auf unseren Parkplatz gelassen. Bei Harzdrenalin ging das“, kritisiert Andreas Rothschuh. Wenn der öffentliche Parkplatz größer würde, hätten auch solche Leute mehr Platz.

Rothschuh ist Chef für den Reiterhof und die Parkplätze am Hotel Zur Talsperre. Er ist zwar nicht Mitglied der Interessengemeinschaft, wie er betont, kritisiert aber auch das Projekt von Grund auf. „Unsere Erfahrung ist, dass die meisten Gäste nicht wegen der Hängebrücke allein hierher kommen, sondern wegen der Natur, der schönen alten Städte und Orte“, sagt er. Die Hängebrücke werde gern mit besucht, Betonung auf „mit“.

Shuttle-Service für Stoßzeiten

Eigentlich müsste er als Geschäftsmann ja für das Projekt sein, weil er daran mit verdiene, räumt Rothschuh ein, aber als Naturfreund sei er strikt dagegen. Er habe schon für Stoßzeiten mit besonders vielen Besuchern einen Shuttle-Service von seinen Parkplätzen zum Parkplatz am Tunnel eingerichtet, plane den Einsatz eines Elektro-Wagens dafür, und sei auch für eine Verbesserung der Fußwege zu der Brückenattraktion. Die Ferienanlage in dieser Größe aber lehne er ab.

„Bei mir gibt es zum Beispiel alles in allem rund 500 Stellplätze“, argumentiert Rothschuh. Die würden reichen, um gefährliches Parken am Straßenrand wie in der letzten Saison zu vermeiden. „Das haben wir nachgezählt“, wie er betont.

Dass einige seiner Stellplätze am Hotel Zur Talsperre nicht genehmigt sein sollen, wie kritisiert wurde, werde geklärt und ändere an seinem Gesamtangebot von rund 500 Stellplätzen nichts. Die seien da und könnten genutzt werden. „Was aber passiert, wenn das Projekt verwirklicht wird, ist eine Beeinträchtigung der zu schützenden Natur im weiten Umkreis um die Freizeitanlage mit ihrem großen Restaurant.“ Es gäbe mehr Lärm und Abgase, und schon jetzt seien doch etliche Gaststätten in der Region gar nicht ausgelastet.

Konflikt zwischen Tourismius-Betrieben

Kontaktversuche zwischen den Betreibern beider Tourismusangebote habe es in der Vergangenheit zwar gegeben, wie zu erfahren war, sind aber im Sande verlaufen und wurden inzwischen zu Argwohn und einem Gegeneinander. Neben der Trennung durch Gemarkungsgrenze und Streit ums Projekt kommt auch eine offenbar unterschiedliche Auffassung vom künftigen Harzer Tourismus zum Vorschein.

Gelten doch die Betreiber-Gebrüder Maik und Stefan Berke mit Angeboten von Seilrutsche über Hängebrücke bis Wallrunning gerade als willkommene Anbieter eines neuen, auf junge Leute und Spaß mit der Natur ausgerichteten Tourismus. Ihre Attraktionen gehören längst zum Harz wie das fröhliche Wandern und die stille Freude an der Natur.

Der Ortschaftsrat Rübeland und die Befürworter des Projekts in der Stadt Oberharz rühmen zudem, dass damit Ordnung in das sowieso von Massen besuchte Areal gebracht werden kann, um die Besucherströme besser zu betreuen, zu lenken und so die Natur zu schützen. Zudem werde die Naturverträglichkeit des Vorhabens derzeit intensiv geprüft und dann auch garantiert, so Verwaltungsfachleute.

Dem trauen die Gegner nicht, vermuten eher, dass sich kommerzielle Interessen der Stadt und der Betreiber durchsetzen, wie sie meinen. „Das darf nicht passieren“, sagt Katja Apel: „Wir wollen das ganze Projekt stoppen.“

Die Pläne werden nun weiter im demokratischen Verfahren in den Ausschüssen der Stadt Oberharz und am 11. Dezember im Stadtrat behandelt.