Thale l Der Harz und der Neidfaktor, mit dem sich Einheimische zuweilen konfrontiert sehen: Leben dürfen, wo andere Urlaub machen. Was zweifellos zutrifft. Sommermonate, die zum Wandern, Relaxen und Entdecken einladen. Die Frühjahrs- und Herbstzeit, die Lust macht, die Harzer Städte und Dörfer zu erkunden. Und im Oberharz ein Winterparadies, das mit Wintersport-Spaß in allen Facetten lockt. Entsprechend positiv sind die Übernachtungszahlen für 2018 – am Dienstag werden sie in Thale vorgelegt, auch in anderen Harzer Städten zeigt die Kurve nach oben.

Plus, plus, plus: Die Bilanz, die Thales Bürgermeister Thomas Balcerowski (CDU) und Ronny Große, Geschäftsführer der Bodetal-Tourismus GmbH (BTG), ganz offiziell präsentieren werden, weist für die Kernstadt Thale in allen markanten Punkten Zuwächse aus. 12,3 Prozent mehr Gäste im Jahr 2018 gegenüber 2017 und zugleich 14,4 Prozent mehr Übernachtungen. Was unterm Strich auch eine etwas längere Verweildauer der Besucher ausweist.

Damit sichert sich Thale im Vergleich der größeren Städte im Harzkreis einen Spitzenplatz. Einen, der für Balcerowski nicht von ungefähr kommt. „Gezogen hat insbesondere unser neues Ferienhausdorf am Fuße des Roßtrappenbergs, das im Sommer 2017 gestartet ist.“ 2018 habe die Anlage erstmals ganzjährig ihre Sogwirkung ausspielen können. Und – für das Stadtoberhaupt entscheidend: Der deutliche Anstieg von Gästen und Übernachtungen beweise, dass Besucher nicht umverteilt, sondern neue angelockt worden seien.

Thale setzt auf weitere Investitionen

Der CDU-Politiker zieht daraus mehrere Rückschlüsse. Die Stadt Thale vertrage noch weitere Investitionen in den Tourismus. Letztere seien nötig, um die Gäste mit neuen Angeboten zu locken. „Die Leute sind sowohl preis- als auch qualitätsbewusst und geben lieber einen Euro mehr aus. Wer heute die Billig-Schiene fährt, verliert.“

Balcerowskis Thesen werden beim Blick durch die Harzregion bestätigt. Wo investiert wird, boomen die Zahlen und das Geschäft. Ein Beispiel ist der Wernigeröder Ortsteil Schierke. Erdmute Clemens, Chefin der Wernigerode-Tourismus GmbH (WTG) kann für den Zeitraum Januar bis Oktober 2018 für Schierke ein Plus von 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum präsentieren.

"Das Schierke" zieht

„Das ist wesentlich begründet in dem Mitte Dezember 2017 eröffneten Harzressort ,Das Schierke‘“, so die Touristikerin. Wobei 16,4 Prozent letztlich nur die Gesamtsumme ist – in der Kategorie Hotelübernachtungen legte Schierke laut Statistischem Landesamt (Stala) sogar um 31,7 Prozent zu.

Der Hintergrund: Anders als in Thale, wo die Übernachtungszahlen anhand verkaufter Kurkarten in Eigenregie erfasst werden, melden andernorts die gewerblichen Hoteliers und Pensionsbetreiber mit mindestens zehn Betten ihre Zahlen direkt ans Stala. Von dort liegen bislang Zahlen bis Ende Oktober 2018 vor. Und das Stala ordnet Ressorts wie das Ferienhausdorf „Das Schierke“ der Kategorie Hotel zu. Zahlen, die Oberbürgermeister Peter Gaffert freuen dürften. Der parteilose Kommunalpolitiker treibt seit Jahren den touristischen Ausbau in Schierke voran.

Die Fakten untermauern Balcerowskis Einschätzung, wonach Qualität nachgefragt werde. Neue Offerten locken, aber auch Historie und Renommee. So wie die Welterbestadt Quedlinburg. Nach Angaben von QTG-Prokurist Nico Reischke gibt es seit fünf, sechs Jahren kontinuierliches Wachstum. Hochgerechnet aufs Jahr 2018 rechne er mit mehr als 470.000 Übernachtungen nach 462.000 im Jahr 2017. Weil keine neuen Hotels und Pensionen hinzugekommen seien, sei so auch die Auslastung gestiegen.

Campingplatz Halberstadt boomt

Weniger Übernachtungen zwar (minus 1,3 Prozent), dafür aber mehr Tagesgäste (plus 40 Prozent) im Jubiläumsjahr 2018 bis Oktober, vermeldet Halberstadt. Lediglich Kleinstanbieter (bis zehn Betten) hätten um 0,8 Prozent zugelegt. Im Schatzjahr seien dank neuer Ausstellungen 82 Prozent mehr Besucher gelockt worden. Und: Im Supersommer habe der Campingplatz einen Zuwachs von 15 Prozent verbuchen können und mit 6009 Übernachtungen seine Kapazitätsgrenze fast erreicht.