Zerbst l „Nur die wenigsten halten sich auch an das Parkverbot, sie parken teilweise sogar die Einfahrten zu“, erzählt eine Anwohnerin.

Zuletzt waren die Beschwerden so massiv, dass sich Ordnungsamt und Polizei entschlossen, vor Ort Kontrollen durchzuführen. So geschehen am Dienstagmorgen zwischen 7 und 8 Uhr. Die Beamten mussten nicht lange auf den ersten Parksünder warten, und es wurden immer mehr.

Einsichtig war dabei kaum jemand. Im Gegenteil, lautstarkes Geschimpfe hallte über die ganze Straße. „Scheiß Staat“, „das ist eine Frechheit“, „habt ihr nichts Besseres zu tun“, „kümmert euch lieber um die Ausländer“ – sind nur einige Beispiele für die verbalen Entgleisungen, die sich die Beamten anhören mussten.

Verbale Entgleisungen

Zugegeben, das war die Ausnahme, was es allerdings nicht erträglicher macht. „So etwas sind wir gewohnt“, sagen Holger Sticherling und Anja Wernecke fast aus einem Mund. Beide sind Regionalbereichsbeamte beim Polizeirevier Zerbst und führen die Kontrolle gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes durch. Auch er kennt solche Entgleisungen. „Hier wurde es ja nicht persönlich, das habe ich auch schon ganz anders erlebt“, erzählt der Ordnungsamtsmitarbeiter.

Die Eltern parken auf dem unbefestigten Streifen zwischen Fahrbahn und Gehweg, mit eingeschalteter Warnblinkanlage in der Bushaltestelle und sogar in der Toreinfahrt der Kita an der Käsperstraße. Sie werden von den Beamten angesprochen und auf das Parkverbot hingewiesen – viele bleiben dennoch stehen. „Sie bekommen jetzt eine Ordnungswidrigkeitsanzeige“, erklärt Holger Sticherling. 20 Euro kostet das Parkvergehen, Geld, das sich ganz leicht sparen ließe.

Großer Parkplatz nur wenige Meter entfernt

„Übrigens, das Einschalten der Warnblinkanlage zum Parken ist eine widerrechtliche Nutzung“, sagt der Ordnungsamtsmitarbeiter. Sie sei für technische Defekte oder Gefahren vorgesehen, nicht um anzuzeigen das man parkt oder irgendwo kurz hält. Eine eingeschaltete Warnblinkanlage schreie hier schon fast: „Komm her, ich mache etwas falsch“.

„Nur wenige Meter weiter an der Zufahrt zum Schlossgarten ist ein großer Parkplatz, warum ihn viele nicht nutzen, bleibt ein Rätsel“, sagt Anja Wernecke. Wenn man die Entfernungen von den falsch geparkten Fahrzeugen zur Kita mit der Entfernung von der Kita zum Parkplatz vergleicht, braucht es wohl ein Lineal um den Unterschied auszumachen.

Der Meinung sind auch zwei Mütter, die vom Parkplatz mit ihren Kleinen auf dem Weg zur Kita sind. Sie würden immer hier parken, erzählen sie. Der Weg sei ja nun wirklich nicht weit. Und außerdem schone es den Geldbeutel.

Die Kita in der Gartenstraße sei aber bei weitem nicht der einzige Problemfall. Auch vor der Grundschule An der Stadtmauer regiert häufig das Chaos. „Auch hier sind wir regelmäßig zu unterschiedlichen Zeiten präsent“, sagt Anja Wernecke. Vor der Schule sei teilweise Halteverbot. „Die Wendeschleife ist für die Feuerwehr angelegt, was aber viele nicht abhält, ihre Autos trotzdem dort zu parken“, erklärt Wernecke.

Anzeige erstatten

Am Ende der Kontrolle nach etwa einer Stunde waren es am Dienstagmorgen insgesamt acht Parksünder, die demnächst Post mit ein- em Überweisungsschein erhalten werden. „Im Übrigen können auch Bürger, Lehrer, Schul- direktoren oder Anwohner mit den nötigen Daten, wie Datum, Uhrzeit und Kennzeichen die Parksünder anzeigen“, macht Holger Sticherling deutlich. Die wenigsten würden das aber machen, weiß der Polizeibeamte. Warum sie es nicht tun, darüber kann er nur spekulieren, „vielleicht wollen sie am Ende nicht die Bösen sein.“