Zerbster können aufatmen Die Kuh ist vom Eis: Krankenhaus in Zerbst ist gerettet - Was bisher bekannt ist
Nach Bekanntwerden der Pläne die Helios-Klinik Zerbst zum 19. Dezember zu schließen, entbrannte ein Sturm der Entrüstung. Bürgermeister Andreas Dittmann und seine ganze Stadt, Landrat Andy Grabner, der Betriebsrat und Verdi kämpften wie die Löwen für den Erhalt des Standortes - mit Erfolg.

Zerbst - Der Kampf hat sich ausgezahlt. Das Krankenhaus in Zerbst bleibt am Netz. Wie Landrat Andy Grabner am Dienstagabend (2. Dezember) mitgeteilt hat, haben sich der Landkreis Anhalt-Bitterfeld und die Helios Kliniken GmbH nach intensiven und konstruktiven Gesprächen auf erste Eckpunkte für die Zukunft des Krankenhausstandortes Zerbst verständigt. Ziel sei eine moderne und dauerhaft tragfähige Gesundheitsversorgung für die Region in kommunaler Trägerschaft.
Wichtige Kernbotschaft: Die Zentrale Notaufnahme bleibt dabei ausdrücklich erhalten. Geplant sei, dass der Landkreis zum 1. März 2026 die Verantwortung für den Klinikbetrieb übernimmt. Bis dahin werde Helios den Betrieb in reduzierter Form fortführen. Der gesamte Verhandlungsprozess sei fachlich von der Beratungs- und Managementgesellschaft HC&S begleitet worden, heißt es in einer Pressemitteilung.
Krankenhaus Zerbst bleibt: Einstieg in moderne und verlässliche Versorgungsstruktur
„Für unseren Landkreis ist klar: Zerbst braucht ein eigenes Krankenhaus. Die Landesebene hat die Versorgungsrelevanz bestätigt und wir sorgen jetzt dafür, dass der Standort eine Zukunft bekommt“, schreibt Landrat Andy Grabner (CDU). Der Weg sei ambitioniert, aber man arbeite mit Helios an einer Lösung, die den Übergang möglich macht.
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„Jetzt geht es darum, gemeinsam den Einstieg in eine moderne und verlässliche Versorgungsstruktur umzusetzen. Vorgesehen ist, dass Zerbst künftig als sogenanntes Level-1n-Krankenhaus betrieben wird. Dabei handelt es sich im Sinne der aktuellen Krankenhausreform um ein modernes Grundversorgungskrankenhaus, das die wohnortnahe medizinische Basisversorgung sicherstellt“, so Grabner.

Gesundheitsversorgung: Geriatrie und MVZ
Das Haus soll auch künftig über eine Notaufnahme verfügen, hält zentrale Fachbereiche wie Innere Medizin und Chirurgie vor und kann Patienten auch in akuten Situationen direkt vor Ort versorgen. Die Zentrale Notaufnahme bleibt in Zerbst entsprechend erhalten, betont Grabner in dem Schreiben. Auch das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) soll vom Landkreis übernommen werden.
Im Landeskrankenhausplan ist der Standort Zerbst derzeit mit 157 Betten ausgewiesen. In Zukunft soll die Bettenzahl dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden, orientiert an der realen Inanspruchnahme und der Auslastung der vergangenen zwei Jahre.
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„Auf jeden Fall sollen insgesamt mindestens 60 Betten dauerhaft betrieben werden. Dabei ist die Einrichtung einer Geriatrie, einer Abteilung für die medizinische Versorgung älterer Menschen angedacht, um der demografischen Entwicklung im Landkreis Anhalt-Bitterfeld Rechnung zu tragen“, beschreibt der Landrat die Pläne.
Notfallversorgung in Zerbst aufrechterhalten
Helios unterstützt das Vorhaben des Landkreises. Entgegen den ursprünglichen Plänen wird Helios daher den stationären Betrieb nun doch nicht komplett einstellen, sondern bis zur geplanten Übertragung Ende Februar eine reduzierte stationäre Versorgung und die Notfallversorgung aufrechterhalten, wie Grabner weiter mitteilt.
In einem ersten Statement zeigt Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) erleichtert, dass eine Lösung gefunden wurde. „Für die Menschen in Zerbst ist es wichtig, dass der Standort erhalten bleibt. Das begrüße ich ausdrücklich“, sagt Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD).
Noch am Sonntag betonte Dittmann bei der traditionellen Seniorenveranstaltung zum 1. Advent in der Stadthalle, dass eine Lösung die Zerbster Klinik sein Weihnachtswunsch sei.
Zustimmung der zuständigen Gremien nötig
Dittmann: „Der Landrat informierte mich am Dienstagabend (2, Dezember) über den aktuellen Verhandlungsstand. Wir haben entgegen der ursprünglichen Heliosplanung einen deutlichen Erfolg erzielt. Jetzt kommt es auf die Details an, die werden wir uns sehr genau ansehen.“
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Die getroffene Vereinbarung steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Gremien. Am 4. Dezember befasst sich zunächst der Kreis- und Finanzausschuss mit dem Thema, am 11. Dezember folgt die nächste Kreistagssitzung.
Sollte weiterer Entscheidungsbedarf bestehen, kann kurzfristig eine Sondersitzung einberufen werden, um die erforderlichen Beschlüsse zu fassen.