Magdeburg l Thomas Wenzel ist noch immer fassungslos. Das Sturmtief „Paul“ am vergangenen Donnerstag hat eine Spur der Verwüstung im Dorf Töppel hinterlassen. An einem Giebel steckten ein Dachbalken und Asbestsplitter wie Geschosse in der Fassade. Sieben Grundstücke des Örtchens bei Zerbst wurden teils schwer beschädigt.

Dabei hat der Sturm eine charakteristische Schneise gezogen. 100 Meter breit, quer durch den Ort. „Das war sicher ein Tornado“, glaubt der Ortsbürgermeister. Der Sturm sei schwerer gewesen als der Orkan Kyrill im Jahr 2007. „So etwas hatten wir hier noch nie.“

Nicht nur in Töppel gab es schwerste Schäden. Von einer Schneise der Verwüstung berichtet auch Stefanie Warnstedt, Leiterin des Magdeburger Neustädter Friedhofs. Das Unwetter hat hier 100 Jahre alte Bäume wie Spielzeug aus dem Erdreich gedreht. „Das hat seit der Weihung des Friedhofs 1827 noch kein Sturm geschafft“, sagt Warnstedt. Eine Woche nach dem Unwetter ist die Verunsicherung vielerorts weiter groß. Was war das für ein Unwetter, das da übers Land hinwegzog? Wie groß sind die Schäden? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas wieder passiert? Ein Überblick über das, was bislang bekannt ist:

Unwetter in Magdeburg

Ein Unwetter hat am 22. Juni 2017 in Teilen der Stadt Magdeburg für Verwüstung gesorgt.

  • Unwetter in Magdeburg. Foto: Marco Papritz

    Unwetter in Magdeburg. Foto: Marco Papritz

  • Der Firmenstaffellauf im Elbauenpark Magdeburg wurde wegen des Unwetters um einen Tag verschoben. Foto: Marco Papritz

    Der Firmenstaffellauf im Elbauenpark Magdeburg wurde wegen des Unwetters um einen Tag verschoben....

  • Unwetter im Magdeburger Elbauenpark. Foto: Marco Papritz

    Unwetter im Magdeburger Elbauenpark. Foto: Marco Papritz

  • Blick auf das City Carré in Magdeburg während des Unwetters. Foto: Martin Rieß

    Blick auf das City Carré in Magdeburg während des Unwetters. Foto: Martin Rieß

  • Unwetter in Magdeburg, Breitscheidstraße. Foto: Marco Papritz

    Unwetter in Magdeburg, Breitscheidstraße. Foto: Marco Papritz

  • In der Breitscheidstraße im Herrenkrug sind Bäume auf parkende Autos gestürzt. Foto: Bernd Kaufholz

    In der Breitscheidstraße im Herrenkrug sind Bäume auf parkende Autos gestürzt. Fot...

  • Ein umgestürzter Baum am Kassenhäuschen am Neustädter See in Magdeburg. Foto: Stefan Harter

    Ein umgestürzter Baum am Kassenhäuschen am Neustädter See in Magdeburg. Foto: Stef...

  • Unwetter in Magdeburg: Straßenbahnen stehen still. Foto: Marco Papritz

    Unwetter in Magdeburg: Straßenbahnen stehen still. Foto: Marco Papritz

  • Ein umgestürzter Baum im Schneidersgarten in Magdeburg. Foto: Jens Wolf

    Ein umgestürzter Baum im Schneidersgarten in Magdeburg. Foto: Jens Wolf

  • Einsatzkräfte der Feuerwehr sägen an der Lübecker Straße einen Baum ab. Foto: Peter Ließmann

    Einsatzkräfte der Feuerwehr sägen an der Lübecker Straße einen Baum ab. Foto:...

  • Die Dachpappe eines Mehrfamilienhauses an der Berliner Chaussee in Magdeburg wurde bei dem Unwetter heruntergerissen. Foto: Marco Papritz

    Die Dachpappe eines Mehrfamilienhauses an der Berliner Chaussee in Magdeburg wurde bei dem Unwett...

  • Das Unwetter in Magdeburg verwüstete den Zoo. Foto: Peter Ließmann

    Das Unwetter in Magdeburg verwüstete den Zoo. Foto: Peter Ließmann

  • Zoo-Chef Kai Perret begutachtet die Unwetter-Schäden an den Gehegen der Tiger und der Weißen Leoparden. Die Reparatur der Anlage wird längere Zeit brauchen. Foto: Peter Ließmann

    Zoo-Chef Kai Perret begutachtet die Unwetter-Schäden an den Gehegen der Tiger und der Wei&#x...

  • Das

    Das "anrollende" Unwetter in Magdeburg-Ottersleben. Leserfoto: Marcel Morgenthal

Unwetter zieht über die Altmark hinweg

Salzwedel/Stendal (ta) l Über die Altmark ist ein kurzes, aber teils heftiges Unwetter hinweggezogen. Im Landkreis Stendal und dem Altmarkkreis Salzwedel sorgten starke Regenfälle, Gewitter und umgekippte Bäume unter anderem für Stromausfälle, Verkehrsbehinderungen, Zugverspätungen.

  • Guido Dannies hat ein Bild aus Steimke geschickt. Das Trampolin hat es beim Sturm durch den Garten geweht. Foto: Guido Dannies

    Guido Dannies hat ein Bild aus Steimke geschickt. Das Trampolin hat es beim Sturm durch den Garte...

  • In Salzwedel sind Autos durch umgekippte Bäume beschädigt worden. Foto: Ronny Sobek

    In Salzwedel sind Autos durch umgekippte Bäume beschädigt worden. Foto: Ronny Sobek

  • Kurz aber heftig: In der Stendaler Hallstraße zogen dunkle Wolken auf, es gab ein kurzes Gewitter, etwas Wind und Regen, dann war's auch schon wieder vorbei. Foto: Tanja Andrys

    Kurz aber heftig: In der Stendaler Hallstraße zogen dunkle Wolken auf, es gab ein kurzes Gew...

  • Facebook-Nutzerin Christin Charlie Baucke hat den dunklen Himmel über Stendal kurz vor dem Unwetter fotografiert. Foto: Christin Charlie Baucke

    Facebook-Nutzerin Christin Charlie Baucke hat den dunklen Himmel über Stendal kurz vor dem U...

  • Annika Schulz hat per Facebook den dunklen Himmel über Gardelegen eingeschickt. Foto: Annika Schulz

    Annika Schulz hat per Facebook den dunklen Himmel über Gardelegen eingeschickt. Foto: Annika...

  • Sabine Scheerat hat ein Unwetterfoto von Wassendorf (bei Oebisfelde) eingesandt und schreibt dazu:

    Sabine Scheerat hat ein Unwetterfoto von Wassendorf (bei Oebisfelde) eingesandt und schreibt dazu...

  • Gruselig: Dunkle Gewitterwolken über Gardelegen. Foto: Sandy Henschel

    Gruselig: Dunkle Gewitterwolken über Gardelegen. Foto: Sandy Henschel

  • In Beetzendorf ziehen dunkle Gewitterwolken heran. Foto: Desideria Hering

    In Beetzendorf ziehen dunkle Gewitterwolken heran. Foto: Desideria Hering

  • Direkt neben der Salzwedeler Feuerwehr sind beim Stum Zaunfelder umgekippt. Foto: Nicole Bischoff

    Direkt neben der Salzwedeler Feuerwehr sind beim Stum Zaunfelder umgekippt. Foto: Nicole Bischoff

  • Dunkle Wolken ziehen über Osterburgs Innenstadt hinweg. Foto: Alexandra Koss

    Dunkle Wolken ziehen über Osterburgs Innenstadt hinweg. Foto: Alexandra Koss

  • Tiefgrauer Himmel über Stendal. Foto: Benny Engel

    Tiefgrauer Himmel über Stendal. Foto: Benny Engel

  • Dunkelgrauer Himmel über Osterburg. Foto: Anja Hußfeldt

    Dunkelgrauer Himmel über Osterburg. Foto: Anja Hußfeldt

  • Beeindruckendes Spiel am Himmel vor Hindenburg, kurz bevor das Unwetter angekommen ist. Foto: Dennis Hartmann

    Beeindruckendes Spiel am Himmel vor Hindenburg, kurz bevor das Unwetter angekommen ist. Foto: Den...

  • Beeindruckendes Spiel am Himmel vor Hindenburg, kurz bevor das Unwetter angekommen ist. Foto: Dennis Hartmann

    Beeindruckendes Spiel am Himmel vor Hindenburg, kurz bevor das Unwetter angekommen ist. Foto: Den...

  • Als würde gleich die Welt untergehen: Dunkle Gewitterwolken über dem Stendaler Schützenplatz. Foto: Tobias Holz

    Als würde gleich die Welt untergehen: Dunkle Gewitterwolken über dem Stendaler Schü...

  • Über Engersen naht ein Unwetter heran. Foto: Alex Schmidt

    Über Engersen naht ein Unwetter heran. Foto: Alex Schmidt

  • Kurz vor dem Unwetter ziehen über Arendsee dunkle Gewitterwolken heran. Foto: Rica Meise

    Kurz vor dem Unwetter ziehen über Arendsee dunkle Gewitterwolken heran. Foto: Rica Meise

  • In der Ludwig-Frank-Straße in Salzwedel sind bei einem heftigen Sturm Bäume umgekippt, teilweise entwurzelt. Foto: Tabea Alshut

    In der Ludwig-Frank-Straße in Salzwedel sind bei einem heftigen Sturm Bäume umgekippt, ...

  • Ein Gewitter zieht in Tangermünde an der Elbbrücke heran. Foto: Jens Ernst

    Ein Gewitter zieht in Tangermünde an der Elbbrücke heran. Foto: Jens Ernst

  • Über Salzwedels Innenstadt ist ein Gewitter hinweggezogen. Foto: Fabian Laaß

    Über Salzwedels Innenstadt ist ein Gewitter hinweggezogen. Foto: Fabian Laaß

  • In Buchwitz bei Salzwedel sind bei einem Sturm mehrere Bäume umgeknickt. Foto:  Malte Trevor Winkelmann

    In Buchwitz bei Salzwedel sind bei einem Sturm mehrere Bäume umgeknickt. Foto: Malte Trevor...

  • Beeindruckendes Wolkenschauspiel kurz bevor das Unwetter über Weteritz hinwegzog. Foto: Fabian Schlamann

    Beeindruckendes Wolkenschauspiel kurz bevor das Unwetter über Weteritz hinwegzog. Foto: Fabi...

Die Schwere: „Das Ereignis war schon außergewöhnlich“, teilt der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Ereignisse wie dieses treten örtlich nur alle fünf bis zehn Jahre auf. Radarmessungen hätten großräumige Drehbewegungen der Gewitterwolken gezeigt. Ein Tornado sei damit möglich. Nachgewiesen hat der DWD eine Windhose allerdings nicht. Für wahrscheinlicher hält die Behörde eine starke Böenfront. Die höchsten Windgeschwindigkeiten wurden mit 96 Kilometern pro Stunde in Ummendorf in der Börde gemessen. In Magdeburg registrierten die Geräte 91 Kilometer pro Stunde.

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Die Schäden: Anders als beim Wintersturm Kyrill war das Unwetter kein flächenhaftes Phänomen, es dauerte außerdem weniger lange. Dafür gab es lokale Schwerpunkte mit teils massiven Schäden. Die meisten entstanden durch Sturm und Hagel.

1000 Meldungen bei Versicherung

Allein bei den Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt (ÖSA) gingen bis Dienstagmittag mehr als 1000 Meldungen über Gebäudeschäden ein. Hinzu kommen 500 Schäden an Pkw, sagt ÖSA-Sprecherin Ute Semkat.

Betroffen waren bei den Pkw-Schäden vor allem Magdeburg und Halberstadt. Allein in drei Autohäusern zwischen Wolmirstedt und Halberstadt seien 160 Autos beschädigt worden. Insgesamt geht die ÖSA derzeit von einem Schadensaufkommen von zwei Millionen Euro aus. Bei Kyrill waren es 2007 allerdings 13 Millionen.

In Magdeburg hat die Gewitterfront besonders schwer gewütet. „‚Paul‘ hat von Nord nach Nordost eine Schneise der Verwüstung geschlagen“, sagt Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra. Im Rotehornpark und im Herrenkrug wurden zahlreiche Bäume entwurzelt oder geschädigt, ebenso im Stadtpark oder im Vogelsangpark.

Auch den Wäldern des Landes hat das Unwetter zugesetzt. Von Windbruch betrroffen waren vor allem die Altmark, die Börde sowie der Fläming. Bernd Dost, Direktor des Landesforstbetriebs, geht auch für den Fläming von einem Tornado aus. „Dort müssen wir bis zu zehn Hektar aufforsten“, sagt er. Insgesamt hat das Unwetter im Landeswald für Verluste von rund 40.000 Festmetern Holz gesorgt. Bei Kyrill waren es 450.000. Das entsprach dem Einschlag eines ganzes Jahres. „Diesmal sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Dost.

Der Ausblick: Muss Sachsen-Anhalt sich künftig auf eine Häufung von Unwettern wie dem am Donnerstag einstellen? „Das ist möglich“, sagt Peter Hoffmann, Experte beim Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam.

Wetterlagen, die Starkregen einerseits sowie Trockenheit andererseits begünstigen, nähmen zu und wechselten einander immer häufiger direkt ab. Warme Südströmungen stoßen dabei auf kalte Luft aus dem Norden. Die Folge können schwere Gewitter sein, mitunter auch mit Tornados.

Aufräumarbeiten: Im Land gehen die Aufräumarbeiten unterdessen weiter. Bereits seit dem Wochenende befreien die Mitarbeiter des Magdeburger Zoos Wege von Bäumen und Ästen. Am Sonnabend, 1. Juli, wird die Anlage voraussichtlich wieder geöffnet, sagt Sprecherin Regina Jembere.

Aufräumen dauert an

Nicht überall allerdings wird es so schnell gehen. Für Teile der Parkanlagen in Magdeburg rechnet Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra mit Aufräumarbeiten noch über Wochen. Thomas Wenzel blickt unterdessen sorgenvoll auf den Wetterbericht. „‚Paul‘ hat da schon etwas verändert“, sagt er. Am Dienstagnachmittag hat der Sturmjäger Torsten Stein die Schäden in Töppel mit einer Drohne untersucht. Thomas Wenzel sagt: „Er ist sich sicher, es war ein Tornado.“