Magdeburg l Bildungsminister Marco Tullner (CDU) war erst gar nicht erschienen. Das Thema habe keine politische Dimension, hieß es vorab. So traten Sprecher Stefan Thurmann und der Chef des zuständigen Instituts für Schulqualität (LISA) am Freitagmittag vor die Presse. Nach massiver Kritik von Lehrern am diesjährigen Matheabitur auf erhöhtem Niveau hatten Ministerium und LISA die Klausur seit Mittwoch überprüft.

Ergebnis: „Das Matheabitur entsprach in vollem Umfang den geltenden Standards", sagte Thurmann. Der Vorwurf fehlerhafter oder missverständlicher Aufgaben habe sich nicht bestätigt. Auch seien keine Aufgaben enthalten gewesen, deren Inhalt nicht Bestandteil des Lehrplans oder der bundesweit geltenden Bildungsstandards waren. Folglich würden keine Maßnahmen eingeleitet.

„Lehrer haben aber die Möglichkeit, bei der Benotung den vor Ort erteilten Unterricht zu berücksichtigen", ergänzte LISA-Chef Siegfried Eisenmann. So sei die Gesamtpunktzahl je Aufgabe zwar vorgegeben, bei der Gewichtung von Teilaufgaben aber könnten Pädagogen variieren.

Am Montag hatten Lehrer in der Volksstimme ein viel zu hohes Anforderungsniveau, unverständlich formulierte Aufgaben und lehrplanfremde Inhalte im Mathe-Abi kritisiert. Das Bildungsministerium bestätigte den Eingang von insgesamt fünf Hinweisen bis gestern. Ein Magdeburger Schulleiter hatte am Montag erklärt, selbst die Besten seiner Schüler hätten nur 89 von 100 Punkten erreichen können. Rund 1600 Schüler hatten am 2. Mai das Mathe-Abi auf erhöhtem Niveau geschrieben.

Der Ärger steht im Zusammenhang mit einer Reform bei Unterricht und Prüfungen: Seit wenigen Jahren gibt es im Land keine Lehrpläne mit exakt festgelegten Inhalten mehr. Stattdessen sollen Schüler am Ende der Schulzeit bundesweit gültige Kompetenzen beherrschen. Dahinter steht das Ziel, das Abitur vergleichbarer zu machen.

Auch die Prüfungsaufgaben in Mathe (sowie Deutsch, Englisch und Französisch) kommen seit 2017 aus einem länderübergreifenden Pool. Verwaltet werden sie vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) – einem An-Institut der Humboldt-Universität Berlin. Eine Kommission am LISA stellt das Zentralabitur fürs Land aus diesem Pool zusammen. Dabei würden lediglich formale Anpassungen vorgenommen – etwa bei Begriffen, betonte LISA-Chef Eisenmann. In den vergangenen Jahren hätten zahlreiche Schulungen mit rund 1200 Lehrern zum Thema stattgefunden. Wenn Lehrer behaupteten, es seien lehrplanfremde Inhalte geprüft worden, sei das nicht Versäumnis der Behörden, so der LISA-Chef.

Harsche Kritik am Prüfergebnis kommt vom Verband der Gymnasiallehrer: Das Vertrauen der Bevölkerung in zentral gestellte Abi-Aufgaben werde damit geschwächt, sagte Vorsitzender Thomas Gaube. Zudem entstehe der Eindruck, Lehrer würden nicht unterrichten, was im Lehrplan steht. „Dabei tun unsere Lehrer das höchst verantwortungsvoll." Es bleibe ein „ganz bitterer Beigeschmack". Gaube forderte vor künftigen Prüfungen, Abi-Aufgaben mit einem Kreis von Lehrern außerhalb der LISA-Kommission abzustimmen.

Linken-Fraktionschef Thomas Lippmann sagte, die nur formale Prüfung des Abis durch jene Behörden, die die Klausur auch erstellt haben, sei für eine Beurteilung absolut ungeeignet. „Letztlich zahlen die Schüler die Zeche dafür, dass sich das Land eines Aufgabenpools bedient, der im Zweifel gar nicht auf den Unterricht abgestimmt ist."

Nach einer Panne 2017 gibt es auch in Brandenburg erneut Ärger um das Mathe-Abi. An zwei Schulen sollen Themen abgefragt worden sein, die gar nicht unterrichtet wurden. Das Bildungsministerium kündigte eine genaue Untersuchung an: „Es darf auf keinen Fall für die Schüler zu Nachteilen kommen", sagte Staatssekretär Thomas Drescher. 2017 durften 6000 Abiturienten wegen einer ähnlichen Situation die Mathe-Prüfung wiederholen.

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