Magdeburg l Baumschnitt und Verwelktes vom Beet zu verbrennen, gehört für viele Landbewohner im Herbst und im Frühjahr zum alljährlichen Ritual. Anwohner in dicht besiedelten Regionen jedoch stinken die Rauchschwaden im wahrsten Sinne des Wortes. Deswegen haben Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau die Feuerchen längst verboten. Im Ländlichen ist das nicht so einfach. Das bekam die grüne Umweltministerin Claudia Dalbert voriges Jahr zu spüren. Da wollte sie ein landesweites Verbot verordnen.

Nach heftigen Protesten von Landräten sowie ihren Ministerkollegen aus CDU und SPD zog sie das Papier zurück. Es bleibt dabei: Landräte entscheiden vor Ort selber. Nun wirbt Dalbert dafür, dass die Feuerchen freiwillig untersagt werden. Eine jüngste Anhörung vom Januar ergab, dass der Burgenlandkreis erwägt, die Gartenfeuer einzuschränken. „Insgesamt ist das eine erfreuliche Entwicklung und vor dem Hintergrund des Umwelt- und Gesundheitsschutzes der richtige Weg.“

Wenn sich Dalbert da nicht zu früh freut. Der Bördekreis wird das Verbot wohl wieder kippen, was Noch-Landrat Hans Walker (CDU) erst 2017 durchgesetzt hatte. Seit dem 1. Mai 2017 muss der Grünschnitt zu Sammelstellen gebracht werden. Vor allem Einwohner auf den Dörfern fühlen sich gegängelt und beklagen lange Wege. Das Thema blieb heiß – bis in den Landrats-Wahlkampf hinein. Alle sechs Bewerber versprachen Änderung und stellten eine differenzierte Lösung in Aussicht: Wahrscheinlich wird das strikte Verbot für die Dörfer wieder aufgehoben. Am 8. April ist die Stichwahl.

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Proteste gibt es auch im Jerichower Land. Möckerns Bürgermeister Frank von Holly (CDU) fordert seit langem ein „Schluss mit dem Brennverbot“. Landrat Steffen Burchhardt (SPD) bleibt aber hart. „Ich werde das Rad der Zeit nicht zurückdrehen.“ Er erwartet, dass der Bund die Gartenfeuerchen künftig ohnehin deutschlandweit verbieten wird.

Grünschnitt-Entsorgung kostet 800.000 Eu

Schon 2011 hatte sein Amtsvorgänger Lothar Finzelberg die Gartenfeuer ausgetreten: Mittlerweile wird der Abfall an 16 Grünschnittplätzen und vier Wertstoffhöfen gesammelt. Von dort geht er in Biogasanlagen oder zur Kompostierung. „Niemand muss weiter als zehn Kilometer fahren“, sagt Burchhardt. Doch das alles hat auch eine hohen Preis: Die Entsorgungskosten kletterten von einst wenigen tausend auf nunmehr fast 800.000 Euro im Jahr. Die Kosten tragen letztlich die Haushalte über ihre Müllgebühren.

Ein vehementer Verbotsgegner ist Michael Ziche (CDU), Landrat im Altmarkkreis Salzwedel. Dort wurden die Brennzeiten zwar zeitlich etwas eingeschränkt und in den April verschoben (damit die Abfälle auch wirklich trocken sind) – aber von einem flächendeckenden Nein hält Ziche nichts. Die Altmark ist dünn besiedelt, die Wege sind lang, die Dörfer klein. „Von Restriktionen halte ich in dieser Frage nichts.“ Er versucht es lieber mit Angeboten: Sieben Wertstoffhöfe nehmen den Grünschnitt an, zudem stehen in drei Städten nun Biotonnen. Der Abfall geht in die Kompostierung nach Gardelegen. Die kreiseigene Deponie macht daraus Erde, die von Landwirten gern gekauft wird. „Die Kompostmengen steigen, die Zahl der Gartenfeuer geht deutlich zurück“, berichtet Ziche. Ganz ohne Verbote.

Pro-Kommentar: Alois Kösters ist für das Verbrennen von Gartenabfällen.

Kontra-Kommentar: Matthias Fricke hält das Verbrennen von Gartenabfällen für überholt.