Magdeburg l Hinter Sachsen-Anhalt liegt die schlimmste und längste Grippesaison seit über 15 Jahren. Die Bilanz der Epidemie: 25.255 Erkrankungen wurden registriert. 81 Tote und damit fast viermal so viele wie in der Vorsaison (22) fielen den Influenza-Viren zum Opfer – die meisten waren über 70 Jahre alt.

Im Zusammenhang mit der zurückliegenden Grippewelle beklagten Kassenpatienten und Ärzte eine Ungleichbehandlung gegenüber den Privatpatienten. Hintergrund der Kritik: Entgegen den Vorhersagen waren 69 Prozent der Grippe-Erkrankungen auf die B-Komponente des „Yamagata-Stamms“ zurückzuführen. Doch gegen die schützte der Dreifach-Impfstoff nicht, mit dem gesetzlich Versicherte im Winter 2017/18 geimpft wurden. Privatpatienten bekamen hingegen meist die Vierfach-Impfung, mit der auch der Haupterreger abgedeckt war.

Keine Angst vor Epidemie

Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen-Anhalt, erklärt dazu: „Die Entwicklung der letzten Jahre und der außergewöhnlich schwere Verlauf im vergangenen Winter zeigen uns, dass mit der Influenza-Grippe nicht zu spaßen ist. Und wie wichtig ein effektiver Impfschutz ist – besonders für die Risikogruppen.“

Doch auch wenn die Gefahr der Ansteckung mit Influenza-Viren im mobilen Zeitalter „real existent“ sei, möchte der Gesundheitsexperte den Menschen im Land die Angst vor einer neuen Epidemie nehmen: „Aus Sicht der gesetzlichen Krankenkassen ist Sachsen-Anhalt im Kampf gegen die Grippe gerüstet.“ Es könne sofort losgehen mit den Schutzimpfungen. Es gebe keine Lieferengpässe und die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten für den Vierfach-Impfstoff. „Die Arztpraxen haben frühzeitig den Bedarf angemeldet und sich dementsprechend bevorratet – inklusive Reserven“, bekräftigt Wiedemann. „Bis auf ganz wenige Ausnahmen wird grundsätzlich nur der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene und von der Ständigen Impfkommission STIKO abgesegnete Vierfach-Impfstoff zum Einsatz kommen.“

Dieser sei in seiner Wirksamkeit besser als der im Vorjahr zunächst an Kassenpatienten verabreichte Dreifach-Impfstoff, weil er eben auch vor der heimtückischen B-Komponente der Yamagata-Viren schützt.

Schutz nicht zu 100 Prozent

Gleichzeitig verweisen die Kassen jedoch darauf, dass eine Impfung keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Grippe-Erkrankung bieten kann. Denn niemand kann die Stärke und den Verlauf einer Grippewelle punktgenau vorhersagen. „Das liegt an der großen Wandlungsfähigkeit der Viren. Jeden Winter zirkulieren neue Subtypen. Die Impfstoffe müssen daher jedes Jahr von Neuem maßgeschneidert werden“, erklärt der Barmer-Geschäftsführer.

Trotz aller Unwägbarkeiten gilt dennoch: Eine Impfung ist immer noch der beste Schutz, den es gegen Grippe gibt. Mit Blick auf eine besorgniserregende Impfmüdigkeit in den Risikogruppen (weniger als 40 Prozent lassen sich hier impfen) appellieren Barmer, AOK &Co. an das Verantwortungsgefühl: Menschen über 60, chronisch Kranke, Schwangere sowie das Medizin- und Pflegepersonal sollten sich mit Rücksicht auf andere unbedingt gegen Grippe impfen lassen.

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