Unesco-Welterbe

Stiftung Luthergedenkstätten setzt auf Historie und Natur

Bäume anfassen, Kräuter erkunden oder sich als Programmierer versuchen. Museen, die zum Unesco-Welterbe zählen, setzen auf junges Publikum. Auch in den Ferien.

Von dpa
Pflanzen wachsen und gedeihen im neu angelegten Garten des Melanchthonhauses.
Pflanzen wachsen und gedeihen im neu angelegten Garten des Melanchthonhauses. Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Wittenberg/Eisleben - Ob Kräuterwandern, Fachwerk bauen oder programmieren: Die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt will mit Angeboten wie diesen in den Ferien noch mehr Familien ansprechen. Angesichts der Pandemie galt es zu erkunden, was noch mehr auch im Freien möglich ist, wie eine Sprecherin der Stiftung sagte. „Die Resonanz ist sehr gut“, sagte sie. So können Besucher in Wittenberg etwa im Melanchthonhaus im Garten des Museums die Welt der Kräuter erkunden. Unter Einhaltung der Corona-Regeln, betonte sie.

Zudem gebe es Bildung wie im Vorübergehen im Luthergarten. In dem frei zugänglichen Park an der Wittenberger Schlosskirche stehen Bäume aus der ganzen Welt. Diese wurden von Kirchen und Gemeinden rund um den Globus zum Jubiläum 500 Jahre Reformation 2017 gespendet und in der Lutherstadt gepflanzt.

Angesichts des Klimawandels werde das Thema Nachhaltigkeit, zurück zur Natur, immer wichtiger auch für Freizeitangebote, sagte sie. Das Interesse daran wachse. Martin Luthers (1483-1546) Wegbegleiter, der Universitätsgelehrte Philipp Melanchthon (1497-1560), habe sich schon damals für die Heilkraft der Pflanzen, für die Natur begeistert. „Heute würde man sagen, er war ein Workaholic, er war vielseitig gebildet, sein Steckenpferd war die Kräuterheilkunde“, sagte sie. Luther, der Überlieferung nach bekannt für Tafelrunden, habe der Gelehrte mit Kräutern zum Beispiel bei Magenproblemen versorgt.

Spielerisch Kindern die Geschichte und die Entwicklung der Sprache bis heute näher zu bringen, darum gehe es auch in den Angeboten der kulturellen Bildung in den Lutherstätten in Eisleben, erklärte die Sprecherin. Unter dem Motto „Adventure-Games selbstgemacht!“ können sich Jungen und Mädchen als Programmierer ausprobieren.

Insgesamt sei das Besucherinteresse an den Lutherstätten mit den Lockerungen der Verordnungen von Bund und Land zur Eindämmung der Corona-Pandemie wieder gestiegen. Vor allem Individualtouristen auf Städtetour oder per Fahrrad kämen zu den Originalschauplätzen der Reformation. Einbußen gebe es weiter durch das Ausbleiben von Gästen auf organisierten Reisen sowie von ausländischen Touristen.

Luther wurde 1483 in Eisleben geboren, wo er im Jahr 1546 auch starb. An ihn erinnern in der Kleinstadt zwei Museen, die wie alle Lutherstätten in Sachsen-Anhalt und damit auch das Melanchthonhaus zum Unesco-Welterbe zählen. In Mansfeld wird im früheren Wohnhaus der Familie Luther die Kindheit und Jugend des Reformators nachgezeichnet.

Der Überlieferung nach schlug Luther am 31. Oktober 1517 in Wittenberg seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel der Kirche, sich von Sünden freizukaufen, an die Tür der Schlosskirche. Dies gilt als Beginn der Reformation in Kirche und Gesellschaft. Kritiker sprechen von einer Spaltung. In der Wittenberger Schlosskirche sind Luther und Melanchthon begraben worden.