Magdeburg l Sachsen-Anhalt hat 2018 1072 neue Lehrer verpflichtet. Es gibt 932 unterschriebene Verträge, sagte Bildungsminister Marco Tullner der Volksstimme. Für weitere 142 Stellen einer Ausschreibung vom November 2018 gebe es feste Zusagen. Die neuen Kollegen sollen spätestens zum 1. Februar 2019 ihren Dienst antreten.

Der Minister erfüllt damit das selbst gesteckte Ziel von 1000 Neueinstellungen für 2018. Parlament und Landesregierung hatten es im Frühling 2018 beschlossen. Sie reagierten damit auch auf Forderungen der Volksinitiative „Den Mangel beenden – Unseren Kindern Zukunft geben!“. Das Bündnis aus Verbänden, der Gewerkschaft GEW und der Partei Die Linke hatte nach einer Unterschriftensammlung mit 77 000 Unterstützern 1000 Lehrer zusätzlich zu den Planungen des Landes gefordert.

Die Bilanz 2018

Tullner räumte ein: Eine sofortige Verbesserung der Unterrichtsversorgung bedeuten die 1000 Einstellungen nicht.

● Ein Grund: Viele junge Kollegen gehen demnächst in Elternzeit oder sind in dieser Phase. Ihre Zahl hat sich in den letzten drei Jahren fast verdreifacht, auf zuletzt fast 400.

● Hinzu kommt: Die Schülerzahl ist im Vergleich zum Vorjahr erneut um 1000 auf 177.000 gestiegen (Stand 19. September).

● Für 2018 geht das Ministerium zudem von rund 700 ausgeschiedenen Kollegen aus – etwa durch Rente und Kündigung.

Der Bedarf nimmt also zu. Ob auch die Zahl der Lehrer unterm Strich gestiegen ist, bleibt wegen fehlender, aktueller Daten zum Personalbestand aber offen. Bis September war die Zahl der Kollegen im Dienst (ohne Altersteilzeit) im Vergleich zum Vorjahr noch gesunken. Das könnte sich durch zwei weitere Ausschreibungen im Herbst aber noch verändert haben.

Aktuellere Zahlen liegen für die Unterrichtsversorgung vor. 103 Prozent hat sich die Kenia-Koalition als Ziel gegeben, um den verpflichtend vorgesehenen Unterricht auch bei Krankheit oder Klassenfahrten ohne Ausfall erteilen zu können. Ende November lag der Wert laut Ministerium bei 98,3 Prozent – ein neuer Tiefstwert.

Die Ausgangslage 2019

Um aus der Talsohle zu kommen, will Tullner 2019 erneut kräftig gegensteuern. Das ist auch nötig: Eine Expertenkommission hat errechnet, dass bis 2031 im Schnitt jährlich 730 Lehrer ausscheiden. Parallel dazu wird die Zahl der Schüler noch bis 2023/24 steigen. Ziel seien daher erneut mindestens 1000 Einstellungen, sagte Tullner.

Eine Ausschreibung für bis zu 600 Stellen soll spätestens im Februar starten. Damit will Tullner im Wettkampf um Lehrer vorlegen. Bundesweit werden laut Kultusministerkonferenz allein 2019 32.000 Lehrer gebraucht, 3300 mehr als vorhanden.

Die Großausschreibung will das Land auch deshalb mit einer parallel startenden Marketing-Kampagne flankieren. Zudem baut Sachsen-Anhalt finanzielle Anreize aus: Zulagen von rund 500 Euro monatlich für schwer besetzbare Stellen gibt es seit 1. Januar nicht mehr nur für Angestellte, sondern auch für Beamte.

Unterstützung erhält Tullner von den Gymnasiallehrern: „Der Minister bemüht sich ernsthaft darum, die Lage zu verbessern“, sagte Philologenverbandschef Thomas Gaube. Nach den Fehlern der Vorgängerregierungen dürfe man innerhalb von einer Legislatur aber keine Wunder erwarten.

Die oppositionelle Linke wirft Tullner indes vor, nicht genug zu tun: „1000 Einstellungen sind zu unambitioniert“, sagte Fraktionschef Thomas Lippmann. 2019 liege der Stellen-Bedarf bei mindestens 1300. Lippmann fordert neben termingebundenen Ausschreibungen, einen dauerhaft offenen Bewerbungs-Pool für bis zu 600 Stellen. Dort sollten etwa Bewerber Chancen erhalten, die im ersten Anlauf durchs Raster fallen. GEW-Chefin Eva Gerth forderte Tullner auf, „Zahlenspiele“ zu beenden. Der Minister müsse Daten zum Personal endlich monatsscharf vorlegen. Im Januar will das Bündnis „Den Mangel beenden“ weitere Schritte abstimmen. Im Gespräch ist weiter auch ein Volksbegehren für mehr Lehrer.

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