Magdeburg l Das exorbitant hohe Briefwahlergebnis des damaligen Stendaler CDU-Stadtrates Holger Gebhardt fiel bei der Kommunalwahl im Mai 2014 schon am Wahlabend auf. Im Untersuchungsausschuss des Landtages zur Aufarbeitung der Stendaler Wahlfälschung gaben am Mittwoch mehrere Mitglieder der drei Briefwahlvorstände an, dass die vielen Stimmen für ihn hervorstachen. Auch das hohe Ergebnis des damaligen CDU-Kreischefs Wolfgang Kühnel sei aufgefallen, berichtete die Leiterin eines Briefwahlbezirks. „Schon wieder Kühnel, naja“, zitierte sie Szenen bei der Auszählung.

Dass bei dieser Wahl rund 1000 Stimmen gefälscht worden waren, sei an dem Abend und in den Tagen danach nicht erkennbar gewesen, betonten die als Zeuginnen geladenen Frauen. Gebhardt wurde deswegen zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, die er seit wenigen Tag in der Justizvollzugsanstalt Halle absitzt. Eine von ihm beantragte Verlegung nach Burg scheiterte.

Die als Sachverständige geladene Wahlkoordinatorin der Stadt Merseburg, Cornelia Onnasch, erklärte, dass die neuen Regelungen für die Briefwahl, wonach maximal vier Vollmachten für Wahlunterlagen eingereicht werden dürfen, in einer geordneten Verwaltung nicht hätte übersehen werden können. Genau das aber war in Stendal passiert.