Magdeburg l Max Appel hat am vergangenen Wochenende ein wenig Ruhe gesucht. Er schaute dabei nicht etwa Fischen im Aquarium zu, denn dieses Hobby musste der 23-Jährige aus Zeitgründen bekanntlich aufgeben. Vielmehr nahm er Staubwedel und Staubsauger in die Hand und erledigte mit seiner Lena in der gemeinsamen Hamburger Wohnung den Frühjahrsputz. „Da helfe ich natürlich mit“, sagte er lächelnd. Obwohl doch einst die Schlagersängerin Johanna von Kóczián das Motto in die Welt setzte: „Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann ...“

Dass allerdings nichts von allein geht, weiß ein Leistungssportler wie der Ruderer Max Appel vom SC Magdeburg nur zu genau. Und dass die Erfüllung aller Träume nicht allein in seiner Hand liegen, weiß er außerdem. Appel weilte nämlich in den vergangenen zwei Wochen am Lago Azul in Portugal, und dort ging es bereits um seinen großen Traum vom Start bei den Sommerspielen in Tokio (Japan/24. Juli bis 9. August). Er hat ihn sich noch nicht erfüllt, noch nicht endgültig zumindest. Aber er ist der Erfüllung einen großen Schritt näher gekommen. „Für den ersten Weltcup bin ich gesetzt“, erklärte Appel nämlich. In Sabaudia (Italien) fährt er vom 10. bis 12. April im Doppelvierer des Deutschen Ruderverbandes seinen ersten Olympia-Härtetest. „Ich freue mich sehr, dass ich dabei bin“, sagte Appel mit einem erleichterten Seufzen.

"Der Druck war da"

Skuller gibt es in Deutschland vielleicht nicht wie Sand am Strand von Sabaudia, aber „alle aus dem Olympiakader sind sehr gute Ruderer“, betonte Appel. Wenn Bundestrainer Marcus Schwarzrock also verschiedene Formationen im Großboot ohne Appel probierte auf dem Lago Azul, stieg beim Schützling von Heimcoach Roland Oesemann der Nervositätspegel am Ufer. So ungefähr muss man sich die Konkurrenzsituation vorstellen. „Der Druck war da“, bestätigte Appel. „Jetzt kann ich den nächsten Aufgaben aber entspannter im Kopf entgegensehen. Trotzdem heißt es natürlich, weiter hart an sich und im Team zu arbeiten.“

Zum Team gehören in Sabaudia Tim Ole Naske als Schlagmann sowie Karl Schulze und Hans Gruhne. „Das ist eine starke Kombo“, sagte Appel, „im Training lief das Boot schon sehr gut.“ Dabei bringt der Kämpfer Naske „mit viel Gefühl viel Dynamik ins Boot“. Appel hat als zweiter Mann dabei die anspruchsvolle Aufgabe, die Schlagfrequenz des Youngsters an die Olympiasieger hinter ihm weiterzugeben. Aber das hat ihn ja immer ausgezeichnet: „Ich bin sehr anpassungsfähig“, hatte ihm nicht zuletzt Schwarzrock erklärt. Und eben technisch annähernd perfekt.

Drei Weltcups, eine EM

Der 1,96-Meter-Mann, Fünfter der Weltmeisterschaft 2019 ebenfalls im Doppelvierer, erwartet wenigstens die stärkste kontinentale Konkurrenz zum ersten Weltcup in Italien. „Jeder wird so früh wie möglich Rennerfahrung sammeln wollen, die man für die Sommerspiele benötigt“, sagte er. Und so viele Möglichkeiten sind es dafür ja nicht: Lediglich drei Weltcups und eine Europameisterschaft stehen auf dem Plan. Und die Olympischen Spiele natürlich. Appel: „Ich bin guter Dinge.“