Haldensleben l „Es ist eine sehr beachtliche Leistung, die ihr erbracht habt“, begrüßte Wolfgang Bierstedt, der Büroleiter der Bürgermeisterin, die Kinder in der Kulturfabrik. Über mehrere Wochen hinweg waren die Schüler mit Kameras und Notizheften in Haldensleben unterwegs. Insgesamt fünf Einrichtungen beteiligten sich an dem Projekt: die Grundschulen „Erich Kästner“, „Otto Boye“, „St. Hildegard“ und „Gebrüder Alstein“ sowie die Sekundarschule „Marie Gericke“. Bei einer ersten Kinderversammlung hatten die jungen Detektive ihre Befunde in der Kulturfabrik vorgestellt. Jetzt ging es um die Ergebnisse, die diesem Einsatz folgen sollen.

„Ihr habt sicher viel Schönes gesehen, aber darum geht es heute nicht“, erklärte Wolfgang Bierstedt. „Es geht um das weniger Schöne, um die Dreckecken.“ Generell sei die Sichtweise von Kindern für die Stadt von großer Bedeutung. Denn sie hätten einen anderen, unbefangeneren Blick als Erwachsene.

Tüten für Hundekot

Organisiert wurde das Projekt vom Stadtbüro Hunger, das mit dem Quartiersmanagement Soziale Stadt betraut ist. Jakob Hunger gab bei der Versammlung bekannt, dass die Mühen der Kinder bereits erste Früchte getragen hätten.

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So hatten die Schüler unter anderem die herumliegenden Hinterlassenschaften von Hunden kritisiert. „Wir haben als Stadt schon einmal Spender für Hundetüten aufgestellt. Aber die Tüten wurden für alles mögliche genutzt, nur nicht für Hundekot“, erklärte Stadtjugendpfleger Rolf Koppenhöfer. Nun solle jeder Hundebesitzer bei der Anmeldung seines Tieres einen kleinen Spender mit Hundetüten erhalten. Später könne er sich bei der Stadt auch Nachschub besorgen.

Am Dammühlenweg in Althaldensleben soll sich die Situation ebenfalls ändern. Dort hatten die Kinder unter anderem die Zahl der Raser bemängelt. Betroffen sind vor allem die St.-Hildegard-Schüler. Denn ihre Einrichtung liegt direkt an dieser Straße. Petra Albrecht, die Leiterin der Abteilung Stadtplanung und Umwelt, kündigte bei der Versammlung an, dass der Dammühlenweg als Tempo-30-Zone sowie als Schulweg ausgewiesen werden soll. Nach Aussage der Stadt ist das mittlerweile passiert. Die Regionalbereichsbeamten der Polizei waren ebenfalls bereits vor Ort. „Wir haben heute kontrolliert. Zwei Fahrer waren zu schnell, aber nicht wesentlich“, gab Polizeihauptmeisterin Doreen Bollert bei der Versammlung bekannt. „Wir werden dort öfter stehen, sehen, wie sich die Fahrer verhalten, und entsprechende Maßnahmen einleiten.“

Die von den Kindern bemängelten Schmierereien in der Hagenstraße und an der Stadtmauer sollen ebenfalls verschwinden. Dem dauerhaft nachzukommen, sei für die Stadt aber keine leichte Aufgabe. „Das draufzukritzeln, dauert eine Minute. Das wegzumachen, ist eine Sache von Stunden“, erläuterte Raik Gaudlitz, der Leiter des Stadthofes. „Leider gibt es mehr Schmierereien in der Stadt als Stadthofmitarbeiter.“ Trotzdem wolle man das Problem weiter in Angriff nehmen.

Stromkästen beschmiert

Bei Stromkästen, die ebenfalls oft verunziert würden, sei die Lage nicht ganz so einfach. Teilweise würden sie nicht der Stadt gehören, sondern den verschiedenen Stromanbietern. „Wenn Schmierereien festgestellt werden, werden die Anbieter seitens der Stadt informiert und müssen sich in Eigenregie darum kümmern“, versprach Raik Gaudlitz.

Besitzverhältnisse kamen noch bei zahlreichen Punkten zur Sprache. Zum Beispiel bei vermüllten Grundstücken oder heruntergekommenen Häusern. Raik Gaudlitz führte aus, dass in solchen Fällen die Stadt die Eigentümer auf die Missstände hinweise. „Mehr können wir nicht tun. Es sei denn, es geht eine Gefahr davon aus.“

„Oft kann die Stadt helfen, manchmal nicht. Wir müssen auch an viele andere Menschen appellieren“, fasste Wolfgang Bierstedt zusammen. In diesem Zusammenhang wurde auch die mitunter problematische Verkehrssituation vor Schulen thematisiert. Wie Petra Albrecht ausführte, bemühe sich die Stadt seit Jahren, möglichst viele Parkplätze zu schaffen. Auf der anderen Seite sei es aber auch nicht notwendig, dass einige Eltern mit ihrem Auto direkt vor dem Eingang einer Schule hielten, um ihre Kinder abzusetzen.

An einer anderen Stelle ist jetzt die direkte Mitwirkung der Schüler gefragt. Für den Rolandgarten hatten sich die Kinder und Jugendlichen zusätzliche Spielgeräte gewünscht. In dieser Hinsicht machte Rolf Koppenhöfer ein Angebot: „Was könntet ihr euch rund um den stilisierten Roland vorstellen?“, fragte er die Kinder. „Ihr könnt euch bis zu den Winterferien Gedanken machen. Dann nehmen wir Kontakt zu euch auf.“

Wer selbst sehen möchte, welche Mühe sich die Stadtteildetektive gegeben haben, kann das derzeit tun. Bis Weihnachten ist in der Kulturfabrik eine Ausstellung zu sehen, in der die Kinder ihre Ergebnisse zusammengefasst haben.