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Prozess in stendalKezhia H. (†19) aus Klötze: Chronologie der Ereignisse - Tino B. wegen Mordes verurteilt

Am 20. April wurde die Leiche der seit dem 4. März 2023 verschwundenen 19-jährigen Kezhia H. aus Klötze in der Nähe einer Kiesgrube im Landkreis Helmstedt gefunden. Der 42-jährige Lebenspartner wurde nun wegen Mordes verurteilt. Die Chronologie der Ereignisse.

Von Sebastian Rose/Arne Birger Jeske Aktualisiert: 29.01.2024, 15:52
In der Nähe dieses Kieswerkes im Landkreis Helmstedt wurde die Leiche der 19-jährigen Kezhia H. gefunden.
In der Nähe dieses Kieswerkes im Landkreis Helmstedt wurde die Leiche der 19-jährigen Kezhia H. gefunden. Foto: Matthias Strauß

Klötze - Seit dem 20. April 2023 ist klar: Kezhia H. aus Klötze wird für immer 19 Jahre alt bleiben. Ihre Leiche wurde in der Nähe eines Kieswerkes in der Gemeinde Bahrdorf (Landkreis Helmstedt) gefunden. Die Polizei geht von einem Verbrechen aus, tatverdächtig ist der 42-jährige Freund der Getöteten. Die Chronologie des Falls.

 
Archiv, 21.04.2023: Verdächtiger festgenommen: Leiche von vermisster 19-Jähriger aus Klötze gefunden. (Schnitt: Torsten Grundmann / Kamera: Matthias Strauß)

4. März 2023: Aufbruch zum Freund und letzte Worte zur Mutter von Kezhia

Die 19-jährige Kezhia H. ist nach bisherigen Erkenntnissen letztmalig am Samstag, 4. März 2023, in Klötze gesehen worden. "Bekleidet war sie zuletzt mit einer grauen Jacke der Marke Adidas, einer hellen Hose und weißen Schuhen. Zudem trug sie einen grauen Rucksack", hieß es in der Vermisstenmeldung der Polizei wenige Tage später.

Die Suchmaßnahmen der Polizei, bei denen auch ein Fährtensuchhund zum Einsatz kam, verliefen erfolglos. Daher wurde die Öffentlichkeit um Mithilfe gebeten.

„Ich mach los“, waren ihre letzten Worte, weiß ihre Mutter noch. Man habe noch zusammen Mittag gegessen, im Anschluss sei die Klötzerin am Samstag, 4. März, aufgebrochen. Danach wollte die 19-Jährige gemeinsam mit ihrem Freund am Tag darauf (Sonntag, 5. März) nach Wolfsburg zum Fußball und im Anschluss in Richtung Freiburg in den Urlaub.

5. März: Fußball in Wolfsburg, Nachricht der Mutter wird nicht beantwortet

Am Sonntag, 5. März, um 17.30 Uhr spielte der VfL Wolfsburg vor heimischem Publikum gegen Eintracht Frankfurt. Das Spiel habe Kezhia mit ihrem Freund sehen wollen, ehe es am Montag in den gemeinsamen Urlaub gehen sollte. Ihre Mutter schrieb Kezhia eine Nachricht. Vielleicht würde man noch gemeinsam zu Abend essen? Doch die Nachricht kam nie an. „Wenn sie unterwegs ist, schreibt sie nicht alle halbe Stunde zurück“, so die Mutter.

Doch gar keine Rückmeldung? Das sei nicht ihre Art gewesen. Die Mutter habe sich noch keine großen Sorgen gemacht. Schließlich war es das Abendspiel der Bundesliga an diesem Sonntag.

7. März: Mutmaßlicher Täter meldet Kezhia als vermisst bei der Polizei

Montag, 6. März, noch immer kein Lebenszeichen von Kezhia. Da sie volljährig ist und eine eigene Wohnung im Altmarkkreis aufgrund ihrer Ausbildung hat, ist die Mutter der 19-Jährigen nicht sofort in Panik verfallen. Doch nun habe sich eine erste Unruhe in ihr breit gemacht. Das Gefühl einer Mutter, die ihre Tochter vermisst.

So lange keine Nachricht? „Das hat Kezhia noch nie gemacht.“ Eine weitere Nachricht, ob alles gut ist, sei ebenfalls nicht angekommen. „Dann habe ich angerufen, und die Mailbox ging ran.“ Nun war klar: Ihr Smartphone ist abgeschaltet. Aber nicht nur ihres. Auch das ihres Freundes. „Ich dachte mir: Gut, dann wollen die beiden im Urlaub nicht gestört werden und sind wohl schon unterwegs.“

Dann die niederschmetternde Nachricht, die keine Mutter hören möchte: Die Polizei ruft bei der 50-Jährigen an. Der Freund ihrer Tochter habe die 19-Jährige am frühen Abend des 7. März als vermisst gemeldet. „Das war am Frauentag.“ Ob sie aber nun tatsächlich beim Spiel in Wolfsburg war und möglicherweise in Richtung Freiburg gereist ist, weiß ihre Mutter nicht. Zum Freund ihrer Tochter hat die 50-Jährige keinen Kontakt. Das Verhältnis sei schwierig.

10. März: Polizei schaltet Bevölkerung ein

Am 10. März schaltete die Polizei die Bevölkerung ein und gab für Sachsen-Anhalt und Niedersachsen eine Öffentlichkeitsfahndung heraus. „Wir gehen allen Hinweisen nach“, versicherte Jeannine Stage-Breuer, Sprecherin der PI Stendal.

Nicht nur bei der Polizeiinspektion (PI) in Stendal, die in Sachsen-Anhalt ermittelt, lag der Fall. Auch die Polizei Wolfsburg-Helmstedt suchte fieberhaft nach der 19-Jährigen.

Tage und Wochen nach dem 10. März: Welle der Hilfsbereitschaft in der Altmark

Die Welle der Hilfsbereitschaft im beschaulichen Klötze im Norden Sachsen-Anhalts war riesengroß. Auch in den benachbarten Dörfern gibt es nur noch ein Thema: Wo steckt Kezhia H.? Flyer wurden verteilt, Aufrufe in sozialen Medien geteilt.

Die Suche reichte bis nach Wolfsburg. Dem letzten bekannten Aufenthaltsort der 19-Jährigen.

23. März: Erste Durchsuchung bei tatverdächtigem Freund

"Im Rahmen der Suche nach der Vermissten 19-jährigen Kezhia durchsuchten Polizeibeamte der Polizeiinspektion Stendal am 23. März die Wohnanschrift eines 42-jährigen Tatverdächtigen. Gegen ihn wird wegen des Verdachts des Totschlags ermittelt", heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei.

Offenbar hatten die Beamten Hinweise darauf, dass Kezhia H. nicht mehr am Leben ist. Eine Bestätigung des Todes der 19-Jährigen war dies jedoch nicht. Auch, weil aus sogenannten ermittlungstaktischen Gründen zur damaligen Zeit keine weiteren Auskünfte erteilt werden konnten.

24. März: Falschmeldung von Geständnis und Fassungslosigkeit in der Altmark

Im Umfeld der 19-Jährigen herrschte in den Tagen nach der Festnahme Fassungslosigkeit. Bei ihrem Heimatverein, dem VfB Klötze, vermisst man die fußballverrückte 19-Jährige. „Sie ist wie mein zweites Kind“, sagte VfB-Fußballspartenleiter André Dörk. „Kessi“, wie sie von ihren Sportfreunden gerufen wurde, war fest im Verein verankert. Ebenso wie ihre Familie. Kein Spiel ohne die Sportbegeisterten. „Egal, welche Mannschaft von uns spielt“, so Dörk.

Kezhia war nicht nur Fan und Frohnatur am Rand des Spielfeldes. Sie fungierte als Betreuerin der Männermannschaft und war obendrein als Schiedsrichterin gefragt. "Sie lebt den VfB Klötze“, fasst es André Dörk zusammen.

Kein Wunder, durchlief Kezhia doch alle Stationen des Vereins, begann im Alter von fünf Jahren, bei der G-Jugend ihre Fußballschuhe zu schnüren. „Warum, weiß ich auch nicht. Ich wollte es einfach so“, sagte sie 2019 im Gespräch mit der Volksstimme.

Zudem machte ein angebliches Geständnis die Runde, wie eine große deutsche Boulevardzeitung verbreitete. Dies sei nicht korrekt, so die Staatsanwaltschaft. Dort war zu lesen, dass ein 42-Jähriger den Mord an der 19-Jährigen gestanden habe. „Das ist eine Falschmeldung!“, versicherte Thomas Kramer, „frei erfunden“. Die Leiche wurde weiterhin nicht gefunden.

12. April: Fast fünf Wochen seit dem letzten Lebenszeichen

Hubschrauber schreckten in der Woche vor Ostern die Bewohner der Region Klötze rund um Jeggau und im benachbarten Niedersachsen auf. Es habe Anhaltspunkte für eine erneute großflächige Suche auf Grünflächen und in Wäldern gegeben, informierte Jeannine Stage-Breuer, Sprecherin der Polizei-Inspektion Stendal, auf Anfrage der Volksstimme. „Das hat aber nicht dazu geführt, dass sie gefunden worden ist“, erklärte sie.

Der 42-Jährige Freund blieb im Visier der Ermittler. Eine offizielle Bestätigung der Polizei gibt es zwar nicht, aber aus dem Umfeld von Kezhia ist bekannt, dass der Familienvater eine Affäre mit der 19-Jährigen gehabt haben soll. Er ist vor Ostern erneut vernommen worden, bestätigt Stage-Breuer Beobachtungen der Nachbarn, dass der Mann von der Polizei abgeholt und wieder zurückgebracht worden sei.

Die Verunsicherung der Sportkameraden der 19-Jährigen war zeitgleich weiterhin groß. Ob beim Training oder bei den Punktspielen der VfB-Kicker dachten die Grün-Weißen an ihre Kezhia. Denn sie war immer im Geschwister-Scholl-Stadion dabei, egal welches Team auf dem Platz stand.

Auch sie hofften sehnlichst auf Ermittlungserfolge der Polizei, zumal von DNA-Analysen nach der Spurensicherung im Auto des Verdächtigen die Rede war. Es sei sehr frustrierend, dass es nach mehr als fünf Wochen nicht gelungen ist, Erkenntnisse zu Kezhias Verbleib mitzuteilen, hieß es auf dem Fußballplatz.

18. April: Der entscheidende Durchbruch bei den Polizei-Ermittlungen

Die Polizei bat am 18. April dringend um Hinweise zu einem weißen VW-Transporter und zu Kontakten mit Kezhia bei Facebook, Instagram, TikTok, Snapchat und WhatsApp. Dabei handelte es sich um einen weißen VW-Transporter – Modell Crafter – mit der Firmenaufschrift Spie und Braunschweiger Kennzeichen. Damit wollte der verdächtige 42-Jährige – der ein Verhältnis mit der 19-Jährigen gehabt haben soll – die junge Frau am Tag ihres Verschwindens abgeholt haben.

Der Mann behauptete, mit Kezhia in dem Transporter von der Bushaltestelle an der Lindenallee in Klötze Süd nach Wolfsburg gefahren zu sein. Dort habe er sie abgesetzt. Dann habe er nach Braunschweig zu seiner Arbeitsstelle gemusst. Als er zurückkam, sei sie nicht mehr da und nicht erreichbar gewesen, habe der Mann ausgesagt.

Die Polizei ging davon aus, dass Kezhia H. nie in Wolfburg angekommen sei, erklärte eine Pressesprecherin. Deshalb war es sehr wichtig zu erfahren, welche Strecke der Crafter gefahren war beziehungsweise wo er an dem Wochenende und danach gesehen wurde. „Es ist ja eher ungewöhnlich und fällt vielleicht auf, wenn Firmenfahrzeuge am Wochenende unterwegs sind“, sagt die Pressesprecherin der Polizei, Jeannine Stage-Breuer.

20. April: Fund der Leiche im Landkreis Helmstedt

Nach dem Verschwinden einer jungen Frau aus Klötze Anfang März hat die Polizei die Leiche der 19-Jährigen entdeckt. Die Beamten haben am 20. April einen Tatverdächtigen festgenommen.

In einer Pressemitteilung der Polizeiinspektion und der Staatsanwaltschaft Stendal wurde der Tod der jungen Frau bestätigt. Am Donnerstag, 20. April, wurde in Niedersachsen in der Gemeinde Bahrdorf (Landkreis Helmstedt) in den frühen Abendstunden eine tote Frau aufgefunden.

"Es handelt sich hierbei um die seit dem 4. März vermisste Kezhia aus Klötze. Die Tote war dort in unmittelbarer Nähe eines Kieswerkes entdeckt worden", hieß es von Seiten der Polizei.

Durch kriminalistische Kleinstarbeit haben die Ermittler laut der Pressemitteilung eine Weg-Zeit Berechnung anhand des Fahrtenschreibers aus dem Firmenfahrzeug des 42-jährigen Beschuldigten erstellt. Zeugenaussagen und ausgewertete Fahrzeugdaten führten schließlich zum Ablageort.

21. April: Tatverdächtiger wird dem Haftrichter vorgeführt

Der Beschuldigte, Kezhia H.s 42-jähriger Ex-Freund, wurde noch am Donnerstag, 20. April, erneut vorläufig festgenommen und am Freitag, 21. April, auf Erlass eines Untersuchungshaftbefehls wegen des dringenden Tatverdachts des Totschlags dem Haftrichter vorgeführt.

Das Kieswerk in der Gemeinde Bahrdorf, wo die Leiche von Kezhia H. gefunden wurde, liegt rund 41 Kilometer und circa 46 Autominuten von Klötze entfernt.
Das Kieswerk in der Gemeinde Bahrdorf, wo die Leiche von Kezhia H. gefunden wurde, liegt rund 41 Kilometer und circa 46 Autominuten von Klötze entfernt.
Screenshot: Google.com/maps

Lesen Sie auch: Kezhia H. laut Profiler "übertötet" - Was dahintersteckt und was das über die Tat aussagt

27. Mai: Trauerfeier für Kehzia in Klötze

Am 27. Mai wurde Kezhia auf dem Friedhof in Klötze beigesetzt. Bei der Trauerfeier nahmen Familie und Freunde Abschied. Die Familie will in der Friedhofskappelle auf dem Neustädter Friedhof Abschied nehmen.

Die genaue Todesursache ist bisher nicht bekannt. Die Obduktion zur Klärung sei beantragt. Zum Ergebnis der Obduktion gibt es bislang keine Auskünfte. Der Tatverdächtige hat bislang kein Geständnis abgelegt.

20. Oktober 2023: Mord an Kezhia durch emotionale Ausnahmesituation? Das grauenhafte Geständnis von Tino B.

Er hat Kezhia erstochen. Am Freitag räumte Tino B. ein, dass er seine 19-jährige Geliebte auf dem Gewissen hat. Sie soll ihn erpresst und genötigt haben. Ein grauenhaftes Geständnis.

25. Oktober 2023: Aussage von Ex-Freundin und Kollege: Wie glaubwürdig ist Tino B.?

Mord oder Totschlag an Kezhia H.? Nach Tino B.s grauenvollem Geständnis vor Gericht sagten seine Ex-Freundin und ein Kollege aus. Sie äußern Zweifel an der Ehrlichkeit.

29. Januar 2024: Tino B. erhält lebenslängliche Haftstrafe

Der angeklagte Tino B. ist nach seinem Geständnis wegen Mordes verurteilt worden. Er muss eine lebenslange Haftstrafe antreten. Dies entschied die Staatsanwaltschaft. Des Weiteren muss der Verurteilte 40.000 Euro an die Familie des Opfers zahlen sowie 6000 Euro für die Beerdigung des Opfers.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die deutlich jüngere Geliebte arg- und wehrlos gewesen sei, als Tino B. auf sie eingestochen habe. Es sei keine Tat im Affekt gewesen, sondern Mord, erklärte der Vorsitzende Richter.