Veränderung in der Landwirtschaft Trend auch im Raum Magdeburg: Abschied von der Rinderhaltung
Ein prägendes Bild der Landwirtschaft sind auch in der Region Magdeburg die weidenden Rinder. Doch hier vollzieht sich ein Wandel.

Magdeburg. - Sachsen-Anhalts Bauernpräsident meint: „Tierhaltung ist unverzichtbar.“ Doch die Zahl der Rinderhaltungen in Sachsen-Anhalt ist zwischen 2015 und 2025 laut Statistischem Landesamt deutlich gesunken. Besonders stark betroffen sind - jedoch ausgehend von einem niedrigen Niveau - die kreisfreien Städte, doch auch in ländlichen Regionen schreitet der Strukturwandel voran.
Wie sich in Magdeburg, Börde, Jerichower Land, Anhalt und Salzlandkreis Zahl der Rinderhaltungen entwickelt hat
Ein Extremfall ist Magdeburg. Dort sank die Zahl der Rinderhaltungen von elf auf nur noch drei – ein Rückgang um 72,7 Prozent. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich in Halle. Nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes ist der Rückzug der Tierhaltung aus Städten bundesweit zu beobachten. Steigende Bodenpreise, Nutzungskonkurrenzen, strengere Umwelt- und Immissionsauflagen sowie fehlende Erweiterungsflächen machen tierhaltende Betriebe in urbanen Räumen zunehmend unrentabel oder unmöglich.
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In den ländlichen Landkreisen fällt das Bild differenzierter aus. Im Landkreis Börde (–3 Prozent) und in Anhalt-Bitterfeld (–4,4 Prozent) ist der Rückgang moderat. Diese Regionen gelten laut Thünen-Institut als agrarstrukturell stabil. Auch das Jerichower Land verzeichnet mit –10,1 Prozent einen Rückgang, der unter dem Landesdurchschnitt liegt. Deutlich stärker ist der Strukturbruch im Salzlandkreis. Dort sank die Zahl der Rinderhaltungen um 22,3 Prozent. Damit liegt der Raum Magdeburg im deutschlandweiten Trend.
Was sind die Folgen von immer weniger Rindern für den Raum Magdeburg?
Das entspricht dem Muster, das das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) beschreibt: Vor allem kleine und mittlere Betriebe geben auf, während verbleibende Höfe wachsen, sich spezialisieren oder die Tierhaltung ganz einstellen.
Der Rückgang hat auch regionale Folgen. Mit jeder aufgegebenen Rinderhaltung gehen Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung verloren. Fachinstitute weisen zudem darauf hin, dass die Rinderhaltung eine wichtige Rolle für den Erhalt von Dauergrünland und Kulturlandschaften spielt. Ihr Rückzug kann langfristig auch ökologische Veränderungen mit sich bringen.
Was sind die Gründe für den Rückgang der Rinderhaltung?
Oft wird der Trend zu veganen oder pflanzenbasierten Produkten als Hauptursache genannt. Zwar ist ein sinkender Pro-Kopf-Verbrauch von Rindfleisch belegt, doch Fleischersatzprodukte haben laut BMEL bislang nur einen einstelligen Marktanteil. Agrarökonomen sehen andere Faktoren als entscheidend: steigende Investitionskosten für Tierwohl- und Umweltauflagen, Arbeitskräftemangel und ungelöste Hofnachfolgeprobleme.
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Schwankende Erzeugerpreise tun ein Weiteres: Preistreiber sind unter anderem schwankende Weltmarktpreise für Fleisch und Futtermittel, veränderte Nachfrage durch Konsumrückgänge oder Exporteinbrüche, steigende Kosten für Energie, Futter, Dünger und Transport, Tierseuchen wie die Blauzungenkrankheit sowie politische Eingriffe etwa durch Import- oder Exportbeschränkungen.