Starke Sonderausstellung in Magdeburger Museum Warum ein Soldat den Magdeburger Dom zeichnete
Das Kulturhistorische Museum Magdeburg widmet sich mit der Sonderausstellung „Erbauung (an) der Vergangenheit“ dem Beginn der großen Magdeburger Domreparatur vor 200 Jahren und ordnet sie ein.

Magdeburg - Das Kulturhistorische Museum präsentiert anlässlich des 200. Jubiläums der großen Domreparatur die Sonderausstellung „Erbauung (an) der Vergangenheit. Der Magdeburger Dom und die Wiederentdeckung des Mittelalters in Preußen“, die noch bis zum 17. Mai 2026 zu sehen ist. Die Volksstimme gibt Einblicke zu ausgewählten Objekten der Sonderausstellung. Heute: Ein Soldat zeichnet den Magdeburger Dom.
Diese kolorierte Federzeichnung aus dem frühen 19. Jahrhundert zeigt den Magdeburger Dom in einer Zeit des Aufbruchs. Anfertigt hat sie der Gefreite Nagel, ein Soldat der Pioniere, der vermutlich in Magdeburg stationiert war. Mit sicherer Hand hielt er die Nordseite des Doms fest – eindrucksvoll in der Wirkung, wenn auch nicht in jedem Detail ganz exakt.
Königliche Anordnung
Besonders gut zu erkennen ist die neue Dachkonstruktion des Chorumgangs. Nach einer königlichen Anordnung vom 28. Oktober 1827 wurden die alten, undichten Zeltdächer abgetragen und durch eine flachere Eindeckung mit Sandsteinplatten ersetzt.
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Untersuchungen hatten gezeigt, dass die früheren Dächer gar nicht aus der Bauzeit des Doms stammten, sondern erst im 17. Jahrhundert hinzugefügt worden waren. Der Maler Carl Hasenpflug, bekannt für seine Domansichten, schuf damals zwei Entwürfe für die neue Dachgestaltung.
Rekonstruktionen an der Paradiesvorhalle
Auch an anderen Stellen wurde zu dieser Zeit kräftig gebaut: Das gefährdete nördliche Querhaus wurde stabilisiert, an der Paradiesvorhalle fanden Rekonstruktionen statt. Die Osttürme erhielten flache Abdeckungen – in Nagels Zeichnung sind sie allerdings noch mit Zeltdächern zu sehen.
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Über der Paradiespforte brachte man zudem eine Nachbildung der mittelalterlichen Schäfergruppe mit Schäfer, Knecht und Tieren an, die ebenfalls in der Zeichnung zu entdecken ist.
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So wird die Zeichnung des Gefreiten Nagel nicht nur zum kunsthistorischen Dokument, sondern auch zu einem Zeugnis des Wiederaufbaus und des historischen Selbstverständnisses jener Zeit. Sie hält fest, wie der Magdeburger Dom um 1837 zwischen Bewahrung und Veränderung stand – ein Momentbild im langen Leben eines Bauwerks, das bis heute Geschichte atmet.