Magdeburg l Ganz fest krallt sich die Tigerkatze Stormi an den großen Palmenwedel, den Petra Oppermann durchs Gehege schwingt. Reißt die Zootierpflegerin die Blätter in die Höhe, springt der Amurtiger wild hinterher.

Stormi lässt ihre „Ersatzmutter“ nicht aus den Augen, folgt ihr bis zum Ausgang des Geheges. Als Petra Oppermann das Tor hinter sich schließt, springt die Tigerkatze am Gitter hoch, krallt sich fest und krabbelt nach oben – bis auf Augenhöhe.

Zu Hause in Magdeburg-Sudenburg

Stormi wird am 22. Juni 2017, kurz bevor das Sturmtief Paul für jede Menge Verwüstung sorgte, im Magdeburger Zoo geboren. Sie ist gemeinsam mit einem Kater, der bei der Geburt gestorben ist, der erste Wurf der Tigerin Kimberly und kann von ihrer Mutter nicht versorgt werden. Deswegen übernimmt Tierpflegerin Petra Oppermann diesen 24-Stunden-Job.

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Stormi zieht mit ein in die Wohnung der Oppermanns in einem Mehrfamilienhaus in Sudenburg. Alle zwei Stunden bekommt sie eine Flasche Milch und krempelt das Leben von Petra Oppermann und ihrem Mann komplett um.

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Raus aus der Wohnung, rein in den Zoo

Vor einigen Wochen heißt es dann für Stormi: Raus aus der gemütlichen Wohnung, rein ins Zoogehege. Ganz behutsam wird sie dafür von ihren „Ersatzeltern“ in einer Transportbox mit Heizkissen per Auto in den Zoo nach Neue Neustadt gebracht. Die kleine Tigerkatze soll keinen Durchzug abbekommen, sich nicht erkälten, erklärt Petra Oppermann in liebevollem Ton. Erst bleibt Stormi nur für ein paar Stunden im Zoo.

Jetzt ist der Amurtiger komplett umgezogen – in das Gehege der Hyänen. Tagsüber bleiben die Hyänen eingesperrt und Stormi erkundet das 300 Quadratmeter große Areal. Wenn die Tigerkatze dann am Abend zum Schlafen sich in das kleine Extra-Gehege zurückzieht, sind die Hyänen draußen unterwegs.

Letzte Flasche Milch am Abend

Und spät abends gegen 23 Uhr schaut Petra Oppermann noch mal vorbei – für die letzte Flasche Milch am Tag.

In der Wohnung der Tierpflegerin ist jetzt Ruhe eingekehrt, Petra Oppermann fällt das nicht leicht. „Es ist ein komisches Gefühl, ich denke noch immer, gleich kommt Stormi um die Ecke.“ Noch sehen sich die beiden täglich bei der Arbeit im Zoo. Die Tierpflegerin wird jedes Mal wild von dem Tiger begrüßt, Stormi drückt ihren Kopf fest gegen sie. Dann nimmt sich Petra Oppermann selbstverständlich Zeit zum Spielen.

Tigerpflege rund um die Uhr

Doch neben der Pflege der Tiger fallen unter anderem auch die Erdmännchen, Rothunde, Stachelschweine und Ameisenbären in den Aufgabenbereich der Pflegerin. Petra Oppermann ist froh, dass ihr ihre Kollegen in den vergangenen vier Monaten Arbeit abgenommen haben. Die Tigerkatze hat ihre „Ersatzmama“ rund um die Uhr beansprucht.

Der Lohn für die viele Arbeit: „Dass Stormi so gesund und zufrieden aufwächst“, sagt Petra Oppermann.

Umzugsstress für kleinen Tiger

Geht es dem Amurtiger mal nicht so gut, leidet seine Pflegerin mit. Und das war der Fall, als Stormi den Umzugsstress erst mal verdauen muss und es Probleme beim Füttern gibt. Die Flasche nimmt Stormi nämlich nur von Petra Oppermann. Kollegin Ina Rünzi hat ihr Glück schon versucht, leider ohne Erfolg.

Auch ihre Hände sind ganz zerkratzt, unter der Hose sammeln sich die blauen Flecken. Toben geht für Stormi nämlich auch mit Ina Rünzi gut. Noch sorgt die Pflegerin im Hyänen-Gehege für Ordnung, während Stormi frei herumspringt. Bald werde das nicht mehr funktionieren. „Stormis Krallen und Zähne sind bereits sehr scharf.“

Tiger muss sich entwöhnen

Es sei an der Zeit, die kleine Tigerin von der Nähe des Menschen zu entwöhnen, macht Zoodirektor Kai Perret deutlich und erklärt: „Die Abnabelungsphase muss jetzt beginnen.“

Spätestens in drei Monaten stehe für Stormi der nächste Umzug an. Der Zaun vom Hyänen-Gehege wird dann nicht mehr hoch genug sein. Noch ist offen, ob die Tigerkatze für weitere Monate in Magdeburg bleibt oder bereits in einen anderen Zoo wechselt. Gespräche mit anderen Zoodirektoren habe es zwar noch nicht gegeben, aber sicher ist: Stormi wird Magdeburg verlassen.

Das sei eine Frage des Platzes, sagt Petra Oppermann. Amurtiger sind Einzelgänger und könnten sich kein Gehege teilen. Doch egal wo die Tigerkatze hinzieht, für ihre „Ersatzmama“ steht fest: „Ich werde Stormi besuchen.“