Ausflug

Oebisfelde: Wenn aus Einzelkämpfern ein Team wird

Obst schnippeln, Brötchen backen, Tisch decken und gemeinsam essen. Warum ein Frühstück den Zusammenhalt und das Klassengefüge stärken kann, zeigt ein Besuch der Erstklässler im Institut Lebensnah in Oebisfelde.

Von Ines Jachmann 11.05.2022, 17:23
Ein gemeinsames Frühstück kann den Zusammenhalt und das Klassengefüge stärken.
Ein gemeinsames Frühstück kann den Zusammenhalt und das Klassengefüge stärken. Foto: Ines Jachmann

Oebisfelde - Normalerweise haben die Schüler der Klasse 1 a der Grundschule Drömlingsfüchse zum Wandertag den Rucksack angeschnallt, um mit Eltern und Lehrern die Region zu erkunden. Nicht so am Dienstag. Zwar war es ihr Wandertag, doch das Ziel so nah, dass Wanderschuhe nicht nötig waren.

Es ging in einen Garten, nicht einmal einen Kilometer vom Schulgebäude entfernt. Er gehört zum Institut Lebensnah. Dahinter verbirgt sich eine Beratungsanlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Einige der Kinder kennen das Institut bereits aus der Kindergartenzeit. Kurz vor ihrer Einschulung hatten sie hier im vergangenen Jahr einen Projekttag durchgeführt. „Die Leiterin hatte damals bei uns angefragt“, erzählt die Chefin Antje Rein. Wegen Corona seien viele der Kleinen etwas „durch den Wind gewesen“ gewesen, formuliert Rein es vorsichtig. Lockdown, Hygieneregeln, Distanz und Masken hätten Jung und Alt auf eine harte Probe gestellt. Und manche Kids reagierten eben auf ihre Weise: wild, laut und kämpferisch. Mit gemeinsamen Aktionen hat das Team um Antje Rein wieder Abwechslung in den von Regeln und Auflagen bestimmten Kita-Alltag gebracht.

Gleiches steht auch für die Erstklässler im Fokus. „Teamtag“ nennt die Lebensnah-Leiterin das. „Er soll die Gemeinschaft stärken. Die Kinder sollen etwas Schönes zusammen erleben.“ Danach wurde der Tag auch konzipiert – etwas miteinander tun, dabei draußen an der frischen Luft sein und den eigenen Körper erleben.

Ein Baum mit Regeln

Auf dem Programm stehen Brötchen backen, Obst schnippeln für einen Salat und frühstücken. Einzelkämpfer haben keine Chance. Denn nur gemeinsam wird es was mit dem Frühstücksbüffet. Doch das Herzstück dieses Tages wird ein Teambaum sein, den die Kinder zusammen mit Klassenlehrerin Susanne Thormeier, Eltern und Mitarbeitern von Lebensnah erstellen. Auf gebastelten Blüten sollen die Kleinen ihre Stärken aufschreiben und einige Regeln für die Klasse, die ihnen wichtig sind. Fairness, der Umgang miteinander, Freundlichkeit. Zudem hat das Team um Rein noch ein paar Spiele für die Schüler vorbereitet.

Für Lehrerin Thormeier ist es der erste Besuch im Lebensnah-Institut. „Ich bin ganz begeistert“, sagt sie. Der große Garten biete den Schülern viel Freiraum. „Hier können sie laufen, nirgends droht eine Gefahr und zu entdecken gibt es auch einiges.“ Den Grundgedanken dieses Tages, die Teambildung, begrüßt die Lehrerin. So harmonisch wie die Kinder heute miteinander umgehen, sei es anfangs in ihrer Klasse nicht gewesen, verrät sie. „Aber so langsam wird es.“

Der Name des Instituts beschreibt in einem Wort die Arbeit des Teams um Rein. Lebensnah – sie betreuen im Auftrag des Jugendamtes Familien. Es gehe in erster Linie darum, in festgefahrenen Situationen Impulse zu geben.

Corona setzt Familien zu

Mit Beginn der Corona-Pandemie sei die Nachfrage an Familienberatungen enorm gestiegen, erzählt die Leiterin. „Teilweise können wir nicht alle bedienen. Obwohl unser Team gewachsen ist. Ich habe neue Mitarbeiter, insbesondere für den sozialen Beratungsbereich eingestellt.“ Doch das Lebensnah-Team deckt nicht nur den Landkreis Börde ab, sondern arbeitet auch auf niedersächsischer Seite. „Wir haben Familientherapeuten in Hannover, in Wolfsburg, aber auch in Blankenburg und Magdeburg sind Mitarbeiter tätig.“

Die Probleme, mit denen sich die Hilfesuchenden an das Institut wenden, sind unterschiedlich. Das sind zum Beispiel Familien, in denen die Eltern sich getrennt haben, noch vieles auszuhandeln haben, aber allein nicht weiterkommen. „Hier setzen wir an, unterstützen bei der Konfliktbewältigung. Wir achten darauf, dass die Kinder nicht aus dem Fokus geraten, wenn die Erwachsenen miteinander nicht mehr klarkommen.“ Nicht selten würden Kinder bei Scheidungen übersehen.

Hilfestellungen geben sie auch bei Kindern, die verhaltensauffällig geworden sind, zum Beispiel, statt mit Worten lieber mit Lautstärke argumentieren oder in der Schule Schwierigkeiten im sozialen Miteinander haben. „Aktuell unterstützten wir auch ein Mädchen mit Autismus dabei, ihren Alltag zu finden“, sagt Rein. Derzeit werden über das Institut über 20 Familien und 40 Kinder betreut.