Genthin l Nun setzt sich der Genthiner Stadtrat die Zukunft des Henkelmuseums auf seine Agenda. Dessen Schließung stößt zunehmend auf Unverständnis, deshalb wird der musealen Einrichtung auf der nächsten Stadtratssitzung ein gesonderter Tagesordnungspunkt gewidmet. Angeschoben hat das Norbert Müller (CDU), der damit im Namen seiner Fraktion auf den Druck der Öffentlichkeit reagierte.

Exponate sichern

„Der Stadtrat muss sich zu dem Museum bekennen und gegebenenfalls seine Bereitschaft signalisieren, die Exponate in städtische Obhut zu übernehmen“, forderte er auf der Sitzung des Bildungs- und Kulturausschusses am Mittwoch. Müller kündigte an, dass die CDU-Fraktion auf der Stadtratssitzung im Februar den Antrag stellen wird, dass die Exponate des Museums zu sichern sind und eine Lösung für den Standort gefunden werden muss.

Dafür müssten die Vereinbarungen oder Verträge geprüft werden, in deren Rahmen sich in den 1990er-Jahren die Übergabe des Museums von Henkel auf die Qualifizierungs- und Strukturförderungsgesellschaft vollzogen hat. Müller forderte Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) auf, schon im Vorfeld der Stadtratssitzung mit QSG-Geschäftsführer Lars Bonitz zu klären, ob die QSG überhaupt bereit sei, die Museumsexponate der Stadt zu überlassen.

Ein Teil der Stadtgeschichte

Damit folgte Norbert Müller im wesentlichen den Ausführungen und Hinweisen der im Henkelmuseum ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter, die in der Einwohnerfragestunde zum Auftakt der Ausschusssitzung vorgetragen wurden.

Christel Fehlberg, ehemalige Waschmittelwerkerin und Henkelanerin, sensibilisierte die Ausschussmitglieder für den Erhalt des Henkelmu- seums, indem sie auf die Bedeutung des Werkes für die Region hinwies. Aus jeder fünften Familie sei zu DDR-Zeiten ein Waschmittelwer- ker gekommen. Das Waschmittelwerk und später Henkel gehöre einfach zur Stadt- geschichte. Gegenwärtig, beklagte Christel Fehlberg, herrsche zum Status des Museums große Verwirrung. Deshalb müsse die Rechtslage des Museums unbedingt geklärt werden. „Wir haben jetzt zwei Jahre Zeit (bis 2021 ist die QSG Pächter der verkauften Gebäude - d. R.), einen Umzug vorzubereiten. Wie soll es weiter gehen?“, wandte sie sich an den Ausschuss.

Werbung für Industriestandort

Christa Wolf ergänzte, dass von dem Museum durchaus auch eine Werbung für den neuen Industriestandort mit seinen Unternehmen ausgehen könne. Das Museum beleuchte die 90-jährige Geschichte der Waschmittelproduktion in Genthin, daran könne die Ausstellung anknüpfen und aufzeigen, was jetzt an dem Standort passiert.

Horst Leiste (SPD) reagierte auf die Ausführungen der Ehrenamtlichen unmittelbar noch unter dem Tagesordnungspunkt Einwohnerfragestunde und hob dabei auf die rechtlich unklare Situation um das Henkelmuseum ab. „Wir haben momentan eine sehr unwirkliche Situation, weil wir nicht die Verträge zum Museum kennen, die zwischen der QSG und Henkel abgeschlossen wurden und auf deren Gestaltung der Stadtrat keinen Einfluss hatte. Ich hoffe aber trotzdem, dass wir eine vernünftige Lösung finden werden.“

Museumsbetrieb war unrentabel

Zu hohe Bewirtschaftungskosten und zu geringe Besucherresonanz waren für die QSG, die das Museum bisher betreute und bewirtschaftete, die Beweggründe, das Henkel Museum – zumindest vorerst – dicht zu machen. Mittlerweile wird es nicht mehr beheizt, so dass Exponate Schaden nehmen könnten. Hintergrund dafür ist die bisher nicht geklärte Bezuschussung der QSG durch die Stadt Genthin für das Stadtkulturhaus in Höhe von 50 000 Euro.

Besucherzahlen stagnierten

Die QSG bringt jährlich 5000 Euro auf, das sind hauptsächlich Betriebs- sowie Personalkosten, um das Museum am Laufen zu halten. Diesen Kosten stünden Angaben der QSG zu folge Einnahmen von zirka 1000 Euro entgegen. Dabei stagnierten die Besucherzahlen.

Der neue Eigentümer des ehemaligen Waschhauses, die inprotec AG, hat das Gebäude wie auch das Stadtkulturhaus, der QSG zur Nutzung überlassen. Im Gegenzug hat die QSG dafür die Bewirtschaftungskosten zu tragen.