Umweltschutz Wie in der Altmark bedrohte Arten gerettet werden
Immer mehr Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Der BUND will das am Grünen Band bei Salzwedel verhindern.

Salzwedel/VS/ME. - Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erhält Fördergeld, um seine Arbeit für die biologische Vielfalt am Grünen Band in der Landgraben-Dumme-Niederung fortzuführen. Dabei geht es auch um zwei vom Austerben bedrohte Arten.
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Dafür wurden dem Verband für eine Projektlaufzeit bis März 2029 Mittel aus dem Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums bewilligt, informiert Annette Littmeier, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Koordinierungsstelle Grünes Band in Salzwedel.
„Mit diesem Projekt soll der Bestand besonders gefährdeter und seltener Arten und Artengruppen in der Landgraben-Dumme-Niederung am Grünen Band gestärkt werden“, erklärt sie. Dazu stimme der BUND sich eng mit den Landwirten ab, die Grünland vom BUND gepachtet haben. „Beispielsweise mähen sie die Flächen erst, wenn die Jungvögel von Wiesenbrütern flügge sind. Das sichert den Bruterfolg der Vögel“, so Littmeier.
Ein sensibler Pflanzen-Pionier der Hilfe braucht
Zusätzlich will der Umweltverband auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen Randstreifen ausweisen. Diese würden nur alle drei bis vier Jahre gemäht und nicht mechanisch bearbeitet. Dadurch haben Pflanzen Zeit zu wachsen und Samen zu produzieren. Die Raupen von Tag- und Nachtfaltern können sich ungestört entwickeln. Zudem benötigten zahlreiche Insekten ungenutzte Altgrasstreifen zum Überwintern.
„In dem neuen Projekt wollen wir gezielt einige seltene und gefährdete Pflanzenarten fördern. Wir haben in den vergangenen Jahren schon sehr erfolgreich aus selbst gesammelten Samen verschiedener Pflanzenarten Jungpflanzen gezogen und angepflanzt. Das wollen wir jetzt mit dem Kriechenden Sellerie und dem Igelschlauch wiederholen. Beide sind vom Aussterben bedroht“, erläutert Dieter Leupold, Leiter der BUND-Koordinierungsstelle Grünes Band in Sachsen-Anhalt.
Bedrohter Igelschlauch soll gerettet werden
Der Kriechende Sellerie (Apium repens) ist eine konkurrenzschwache Pionierpflanze und liebt feuchten bis staunassen Untergrund. Er wächst im Uferbereich von stehenden oder langsam fließenden Gewässern, der zeitweise überschwemmt wird. Aber auch in Gräben, auf Nasswiesen und Flutrasen sei er zu finden.
Die Pflanze brauche offene Bodenstellen, die zum Beispiel durch einen regelmäßigen Tritt oder mit Beweidung, vor allem mit Rindern, entstehen. „Die Kriechende Sellerie ist sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in ganz Deutschland akut vom Aussterben bedroht und auch europaweit über die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) streng geschützt“, erklärt die Pressesprecherin. Gefährdet sei der Kriechende Sellerie vor allem von Trockenlegung seiner Wachstumsstandorte und durch konkurrenzstarke, hochwüchsige Gräser und Kräuter.
Einziges Vorkommen in Sachsen-Anhalt bei Kraatz
„Vor einigen Jahren lag das einzige Vorkommen der Pflanze in Sachsen-Anhalt im Raum Kraatz“, informiert sie weiter. Zum Schutz sei das dortige Gebiet nach der FFH-Richtlinie geschützt worden. Dennoch scheint die Pflanze dort nun verschwunden zu sein.
Dem BUND sei vor einigen Jahren gelungen, den Kriechenden Sellerie aus vorgezogenen Jungpflanzen im Raum Hoyersburg wieder anzusiedeln. Diese Bemühungen sollen nun mit dem Projekt ausgeweitet werden.

Eine weitere stark gefährdete Art ist der Igelschlauch (Baldellia ranunculoides, eine Wasserpflanze. In Sachsen-Anhalt sei sie vom Aussterben bedroht. Der Name leite sich von den runden, stacheligen Fruchtköpfen ab, die wie ein Igel aussehen, berichtet Littmeier. Die Pflanze wachse in flachen Gewässern sowie deren Randzonen.
Als ebenfalls konkurrenzschwache Art sei sie von hochwüchsigen Arten bedroht und profitiere von einer angepassten Beweidung der Wuchsflächen mit Rindern. Die salztolerante Art finde in der Salzflora nahe Hoyersburg am Grünen Band ideale Bedingungen vor. Die Blütezeit reicht von Mai bis August, informiert die Pressesprecherin weiter.