Altmark Festspiele im Johanniter-Krankenhaus Musik, die Mut macht: Neujahreskonzert in Stendal spendet Patienten Trost
Das Johanniter-Krankenhaus in Stendal wird zur Bühne für die Musikreihe „Mitten im Klang“. Wie ein Konzert für Abwechslung im Klinikalltag sorgt.

Stendal. - Klangvoll hat das Jahr im Johanniter-Krankenhaus Stendal begonnen. Beim Neujahrskonzert im ehemaligen Foyer der Klinik haben gut 30 Zuhörer den barocken Cellomelodien von Majella Münz und Alf Mosers Kontrabassklängen gelauscht.
„Wir wollen die Musik zu den Menschen bringen, die nicht mehr auf Konzerte gehen können“, erklärte Carlotta von Gehren, Vorsitzende des Fördervereins der Altmark Festspiele. Gemeinsam mit Festspiel-Intendant Reinhard Seehafer organisiert sie die Konzertreihe „Mitten im Klang“, um Menschen in verschiedenen sozialen Einrichtungen in der Altmark musikalische Veranstaltungen zu ermöglichen. Für die Gäste sollen finanzielle und gesundheitliche Hürden dabei keine Rolle spielen. Das ist „Sinn und Zweck der Veranstaltungen“, sagte die Vereinsvorsitzende.
Hilfe vom Orden
Bevor das Streicherduo seine Bögen für das erste Stück – eine Sonate in B-Dur von Joseph Bodin de Boismortier – ansetzte, richtete Carlotta von Gehren dankende Worte an die Provinzial-Sächsische Genossenschaft des Johanniter-Ordens: „Ohne sie wäre diese Konzertreihe nicht möglich.“ Dank der finanziellen Unterstützung des Ordens fallen für teilnehmende Einrichtungen keine Kosten an – der Eintritt für die Gäste ist frei.
Ein Konzert der Altmark Festspiele im Johanniter-Krankenhaus ist „fast schon eine Tradition“, sagte dessen Pressesprecherin Claudia Klupsch. Meist in der Weihnachtszeit, dieses Mal zum Start in das neue Jahr. „Damit möchten wir den Menschen ein bisschen Kraft und Zuversicht schenken“, sagte Carlotta von Gehren zur Konzerteröffnung. Sie selbst spielt Cello – so entstand der Kontakt zu den Berliner Musikern Alf Moser und Majella Münz.
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„Das nächste Duett erinnert an eine Spieluhr. Sie werden immer das Tick-Tick-Tick hören“, moderierte der Kontrabassist aus Berlin einen weiteres Programmpunkt des Konzertes an. Eine kurze Anekdote vor jedem Stück ließ die Gäste erahnen, was ihnen zu Ohren kommen wird. Acht Werke später – von Antonio Vivaldi bis Anton Rubinstein – kündigte Alf Moser das letzte Stück „Two Ladies on a Bus“ an.
Danach überreichen Krankenhausdirektor Jens Domke und Pflegedirektorin Beate Wogawa dem Streichduo ein Präsent, „als kleines Dankeschön für das Konzert in der Klinik“. Doch das war noch nicht vorbei: „Wollt ihr noch eine Zugabe?“, fragte Alf Moser – und erhielt ein klares „Ja“ vom Publikum, begleitet von bekräftigendem Applaus.
„Fetzige“ Klänge mit Tempo
Patientin Dietlinde Meidowski fand es „wirklich wunderbar“, so eine Veranstaltung „wäre was für unser Kloster in Jerichow“. Die 80-Jährige hatte sich Karten für ein Konzert in ihrem Heimatort gekauft, „aber dann bin ich leider hier gelandet“. Der musikalische Nachmittag im Krankenhaus sei ein kleiner Trost. „Ein bisschen Musik ist immer schön.“
Virtuose Raritäten für Violoncello und Kontrabass titelt das Begleitprogramm. „Fetzig“, sagte Patient Rudolf Titze nach dem Konzert. „Es ist das erste Mal, dass ich so ein Konzert miterlebt habe.“ Trotz des Rentnerdaseins gebe es immer etwas zu tun und der Weg aus seinem Heimatdorf Dobberkau bei Bismark erschwere ihm die Anreise zu Veranstaltungen wie dieser.
Mit Cello und Kontrabass im Gepäck, ging es für Alf Moser und Majella Münz ein paar Straßen weiter zum nächsten Auftritt, um auch den Menschen im evangelischen Hospiz in Stendal mit ihrer Musik Mut und Trost zu spenden.