Stendal l Ein Glücksfall und Gewinn zugleich ist für Maria Hartmann ein Schülerstipendium. 150 Euro im Monat bekommt die Stendalerin seit September 2019. „Das ist echt viel Geld für mich“, sagt die 17-Jährige, die sich vom ersten Zuschuss gleich Biologie-Bücher gekauft habe. Sie seien „total teuer“, normalerweise hätte sich die wissbegierige Gymnasiastin nicht mit einem Schwung die Sachbücher leisten können. Umso mehr sei die Zwölftklässlerin froh, in den Genuss des „grips gewinnt“-Stipendiums der Joachim-Herz-Stiftung gekommen zu sein.

Stipendienprogramm

Das Stipendienprogramm "grips gewinnt" soll talentierte und engagierte Schüler ab der 9. Klasse auf ihrem Bildungs- und Lebensweg begleitetn. Es soll helfen, soziale oder finanzielle Hürden zu überwinden. Bei Maria Hartmann sind es finanzielle Hürden, sagt sie. Ihre Mutter sei alleinerziehend. Die Familie, zu der ihr jüngerer Bruder gehört, müsse monatlich mit einem schmalen Budget auskommen.

Einladung nach Hamburg

Eher durch Zufall erfuhr die Schülerin am Winckelmann-Gymnasium zu Beginn des vergangenen Jahres von dem Stipendienprogramm. Ihre Mutter, die sich ehrenamtlich in einem Verein engagiert, erhielt Informationen darüber; fast zeitgleich machten sie ein Lehrer und auch ein Klassenkamerad darauf aufmerksam. Ohne groß zu zögern, habe sich die damals noch Elftklässlerin beworben, im Juni folgte die Einladung nach Hamburg zum Kennenlernen. „Ich war schon sehr aufgeregt“, erinnert sich der Teenager. Drei Juroren der Stiftung führten mit ihr das Gespräch, um herauszufinden, ob die junge Altmärkerin die Richtige ist.

„Sie haben quasi meine ganze Persönlichkeit erfragt, wollten wissen, wie gut ich in der Schule bin, was ich in der Freizeit treibe und ob ich mich sozial engagiere.“ Die Noten passten, ihr Engagement im Stendaler Verein „Lebendige Steine“ gefiel. Zwei Wochen später folgte die Antwort und Gewissheit: Maria Hartmann aus Stendal ist dabei.

Whatsapp-Gruppe

„Es ist nicht nur das Geld, auf das ich mich riesig gefreut habe, vielmehr sind es all die Möglichkeiten, die zum festen Bestand des Stipendienprogramms gehören“, sagt Maria Hartmann und zählt auf: Seminare und Workshops zur Persönlichkeitsentwicklung sowie Beratungen zur Berufs- und Studienwahl. Erste Veranstaltungen hat sie schon wahrnehmen können, andere stehen noch an. „Bei Fragen kannst du jederzeit einen Projektmanager anrufen“, sagt die Gymnasiastin.

Gebrauch davon habe sie schon gemacht. Profitiert von den Möglichkeiten, die das Programm bietet, habe sie allemal. Beispielsweise von Kontakten zu ehemaligen Stipendiaten und ihren Erfahrungen bei der Studien- beziehungsweise Berufswahl. „In der Schule selbst haben wir in dieser Hinsicht nicht so viele Möglichkeiten, live solche Informationen zu bekommen“, sagt die 17-Jährige und nennt noch einen Vorteil: „unsere Whatsapp-Gruppe.“ Verabredungen zu spontanen Treffen in Leipzig, Berlin oder anderen Städten am Wochenende, das gab es für sie früher nicht. „Ich bin aus Stendal nicht raus gekommen“, gibt die aufgeschlossene Schülerin zu.

Studieren in Leipzig

Was sie einmal genau werden möchte, das wisse sie noch nicht. „Vielleicht Medizin oder vielleicht Soziales?“ Sie wolle sich für die Orientierung Zeit nehmen und spare deshalb das Stipendium dafür. „Gern möchte ich nach dem Abi einige Monate hier in Deutschland und auch im Heimatland meines Vater, in Indien, Erfahrungen sammeln“, verrät sie. Vorstellen könnte sie sich, in Leipzig zu studieren. „Aber nicht, dort zu leben. Ich mag keine Großstädte“, sagt sie und fügt schulterzuckend hinzu: „Für eine Weile ist es bestimmt wichtig, die Region, in der man aufgewachsen ist, zu verlassen.“

Ganz soweit ist es aber noch nicht. Im Vordergrund steht gegenwärtig die Vorbereitung auf das Abitur, das sie in wenigen Monaten ablegt. „Es wird ein sehr gutes“, sagt Maria Hartmann selbstbewusst. Der Ehrlichkeit halber fügt sie hinzu, dass sie „ziemlich spät richtig losgelegt hat“. Die Ganztagsgrundschule in Stendal absolvierte sie damals mit Bravour und wechselte mit der 5. Klasse zum Winckelmann-Gymnasium. „Bis zur 9. Klassen lief es, dann kam ein Hänger.“

Innovatives Forschungsprojekt

In der 11. Klasse sei der Knoten geplatzt, auf die Sprünge habe ihr ein Lehrer geholfen. „Herr Schnitzer hat mich sehr gefördert“, sagt die Gymnasiastin. Auch außerschulisch. So nimmt Maria Hartmann mit ihrem Freund und Klassenkamerad Johann Graubner in diesem Jahr am Wettbewerb „Jugend forscht“ teil. Sie haben eine innovative Idee zum Hochwasserschutz umgesetzt, sagt sie und sei gespannt, wie ihr Gemeinschaftswerk bewertet werde.

Diese Forschungsarbeit wie auch andere Aufgaben, ob zuhause, in der Schule oder Freizeit, würden ihr meistens viel Spaß bereiten. „Ich kann gut aufgehen in dem, was ich mache“, sagt sie. Und weil das Stipendium ein Zugewinn für ihre Entwicklung sei, empfiehlt Maria Hartmann: „Wer die Möglichkeit hat und die Anforderungen erfüllt, sollte sich bewerben.“