Wernigerode l Das Ringen um die Küchengarten-Brache geht weiter. Auf dem Gelände der einstigen Maxim-Gorki-Schule sollen nach Plänen der Wernigeröder Stadtverwaltung sieben Mehrfamilienhäuser mit maximal sechs Wohnungen und acht Einzelhäusern mit maximal zwei Wohnungen samt Tiefgarage entstehen. Das Verfahren zieht sich seit drei Jahren hin, Bewohner der Walter-Rathenau-Straße liefen gegen den Entwurf Sturm. Sie sorgen sich um den Grundwasserspiegel, eine stärkere Verkehrsbelastung vor ihren Haustüren, bedrohte Tier- und Pflanzenarten auf der Brache, Lärm und die Gestaltung der neuen Häuser.

In der jüngsten Bauauschuss-Sitzung bezogen Wernigerodes Stadtplaner und das beauftragte Büro Planungsring Stellung zu den Anmerkungen. Ein Verkehrs- und Schallgutachten habe gezeigt, dass Grenzwerte nicht überschritten würden, erläuterte Michael Zagrodnik. Der Stadtplaner sagte eine Überschreitung nachts an der Tiefgarage lasse sich baulich lösen: Mit einem Deckel über der Einfahrt.

Keine Probleme mit Grundwasserspiegel

Den Befürchtungen der Anwohner, ein veränderter Grundwasserspiegel durch die Neubauten schade ihren Häusern, hielt Planer Jens Kiebjieß ein im April abgeschlossenes hydrogeologischen Gutachten entgegen. Dieses sieht keine Beeinträchtigung für bereits stehende Gebäude vor. Die Fundamente dürften lediglich nicht tiefer als 3,50 Meter ins Erdreich ragen, ergänzte Zagrodnik.

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Niemand kann eine hundertprozentige Garantie geben, aber die Messstellen werden seit 2015 ausgelesen“, so der Architekt vom Büro Planungsring. Die Ergebnisse werteten alle möglichen Wetterlagen – von extremer Trockenheit über Winter bis zu Starkregen aus – und lieferten somit „hohe Sicherheit“.

Die Naturschutzbehörde hätte ebenfalls keine Bedenken geäußert, so Zagrodnik. Auf dem Küchengarten-Gelände lebe keine Art, die auf der Roten Liste steht. Für Zündstoff sorgte dagegen die Ankündigung, das Wohngebiet aus dem Geltungsbereich der Altstadtsatzung herauszulösen. „Das geht aus unserer Sicht gar nicht“, so ein Anwohner in der Ausschusssitzung. „Wir werden uns bis zum Letzten dagegen wehren, dass dieses Problem mit einem Federstrich umgangen werden“, kündigte er an.

Stadt will Altstadtsatzung aushebeln

Die Stadt besitze die Planungshoheit, entgegnete Burkhard Rudo. Wie der Baudezernent sagte, liege das Küchengarten-Quartier zwar „in unmittelbarer Randlage der Altstadt“. Aber die Gestaltungsvorgaben der Satzung seien „viel zu eng für zeitgemäßes Bauen und die Entwicklung der Architektur.“ Zudem habe die Verwaltung die Baupläne juristisch prüfen lassen, ergänzte Chef-Stadtplaner Hans-Dieter Nadler. „Mit dem nächsten Schritt – der neuerlichen Auslegung wären wir auf der sicheren Seite für das Wohngebiet.“

Wenn der Stadtrat den veränderten Bebauungsplan in seiner Sitzung Ende September absegnet, würde dieser erneut ausgelegt werden. Wenn nach dieser Phase, in der die Anlieger erneut Einspruch erheben können, das Kommunalparlament grünes Licht gibt, müsste das Areal vermarktet werden. Der Bauausschuss empfahl die entsprechende Vorlage mit drei Ja- und einer Nein-Stimme sowie fünf Enthaltungen weiter.