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61. Zerbster Kulturfesttage Berührend und komisch zugleich: Begegnungen mit der frühen DDR und menschlichen Schicksalen

Laienensemble der Zerbster Essenzen-Fabrik bringt erneut ein Stück von Manfred Bieler auf die Bühnen - mittendrin: Bürgermeister Andreas Dittmann.

03.03.2026, 15:45
Das Laienensemble der Essenzen-Fabrik bringt zum zweiten Mal das Theaterstück „Die Nachtwache“ des Zerbster Autors Manfred Bieler zur Aufführung.
Das Laienensemble der Essenzen-Fabrik bringt zum zweiten Mal das Theaterstück „Die Nachtwache“ des Zerbster Autors Manfred Bieler zur Aufführung. Foto: Nico Peters

Zerbst (dp). - Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) ist am 7. März einmal mehr als Schauspieler zu erleben. Im Rahmen der 61. Zerbster Kulturfesttage setzt das Laienensemble der Essenzen-Fabrik zum wiederholten Mal das Theaterstück „Die Nachtwache“ mit berührenden und komischen Momenten unterhaltsam in Szene.

Grundlage bildet ein 1963 als Hörspiel entstandenes Werk des Zerbster Autors Manfred Bieler. Hauptperson ist der Genossenschaftsbauer Albert Rechenthin. Der 73-Jährige sucht am Vorabend seines Todes seine Weggefährten und Gegner der LPG auf, um noch einmal Klartext zu reden. Es sind Begegnungen mit korrupten Parteimitgliedern oder auch seiner einzig wahren Liebe, die nie geheiratet hat, aber ein uneheliches Kind besitzt.

Manfred Bieler - ein Autor, der bei den DDR-Oberen aneckte

Dabei entsteht das Bild der frühen DDR-Zeit mit ihren Herausforderungen, in deren Mittelpunkt die Beziehungen der einzelnen Figuren mit ihren Geschichten, Hoffnungen und Enttäuschungen stehen - und es durchaus Parallelen ins Heute gibt. Das zumindest findet Fritz Kölling. Er verkörpert Albert Rechenthin in dem Stück, das die Laiendarsteller unter der künstlerischen Leitung von Hans-Rüdiger Schwab einstudiert haben.

Die Theateraufführung beginnt um 19 Uhr in der Zerbster Essenzen-Fabrik (Kastanienallee 8). Der Eintritt kostet 8 Euro. Karten können per E-Mail an info@essenzen-fabrik.de reserviert werden.

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Manfred Bieler (1934 bis 2002) gilt übrigens als einer der bedeutendsten deutschen Erzähler der Nachkriegsliteratur. Mit seinen Werken eckte er in der DDR an. So brachte ihm sein Theaterstück „ZAZA“ heftige Kritik seitens der SED-Oberen ein, mit dem das Laienensemble ebenfalls schon begeisterte.

Der nach Bielers Literaturvorlage gedrehte DEFA-Film „Das Kaninchen bin ich“ (Regie: Kurt Maetzig) war in der DDR bis 1990 verboten, da er sich kritisch mit dem Sozialismus – insbesondere der Strafjustiz – auseinandersetzte. Mit seinem autobiografisch gefärbten Roman „Der Bär“ (1983) hingegen, in dem er über den Aufbau des Sozialismus in einer kleinen anhaltischen Stadt berichtete, setzte er seiner Heimatstadt Zerbst ein literarisches Denkmal.