Magdeburg l Die Sportler des Vereins „Berlin Flamingos“ sammeln Spenden für ihre Baseball-Legende Ron Rodriguez. Ein Geisterfahrer-Unfall hatte am 5. Mai auf der Autobahn 2 bei Alleringersleben (Börde) seine gleichaltrige Ehefrau Jennifer und das gemeinsame ungeborene Kind aus dem Leben gerissen. Der 27-Jährige selbst liegt im Krankenhaus, ist aber laut Polizei weiter nicht vernehmungsfähig. Das Paar mit kubanischen Wurzeln hatte erst vor einem Jahr geheiratet. Vereins-Sprecher Markus B. Jaeger: „Der 5. Mai war der traurigste Tag in der Vereinsgeschichte“.

An jenem Sonnabend kam das Paar mit seinem VW Golf von einem Budesliga-Auswärtsspiel in Paderborn. Kurz hinter der Auffahrt Alleringersleben in Richtung Berlin fuhr ihnen auf der linken Spur gegen 22 Uhr ein Falschfahrer entgegen. Rodriguez hatte keine Chance. Der Aufprall war so heftig, dass der Wagen zwischen die Mittelleitplanken geschleudert wurde. Der 34-jährige Geisterfahrer aus Polen starb später in der Klinik.

Polizei hat zwei Unfall-Varianten

Die Polizei geht von zwei Unfall-Varianten aus: Entweder wendete der Mann kurz vorher auf der Autobahn oder er kam bereits falsch aus Richtung des acht Kilometer entfernten Parkplatzes Lorkberg. Frank Müller vom Autobahnrevier Börde: „Bei uns haben sich inzwischen Zeugen gemeldet, die durch Kollegen in anderen Orten vernommen werden. Wir kennen das Ergebnis noch nicht.“

Der Unfall ist der schwerste dieser Art seit Jahren. Laut Innenministerium gab es im Jahr 2017 im Land 88 Meldungen zu Falschfahrern. Siebenmal kam es zum Unfall, ein Mensch wurde getötet und sieben verletzt. Seit 2015 registrierte die Polizei 23 solcher Falschfahrer-Unfälle mit insgesamt zwei Toten und 14 Verletzten. ADAC-Sprecherin Christine Rettig: „Es gibt leider kein Rezept, um solche Unfälle auszuschließen. Wir können nur darauf drängen, dass Autofahrer schnell informiert werden.“ Laut ADAC sind nach einer Studie mehr als 70 Prozent der Falschfahrer männlich. Die meisten Unfälle passieren an Wochenenden, vor allem in der Zeit zwischen 22 und 5 Uhr.

Sachsen-Anhalts Verkehrsministerium ließ vor drei Jahren alle Auf- und Abfahrten von Autobahnen und mehrspurigen Bundesstraßen umfangreich auf die Sicherheit prüfen. „Seit dem erfolgen jährliche Kontrollen“, so Sprecher Andreas Tempelhof. Ein Pilotversuch in Bayern mit einer „gelben Geisterhand“ als Schild und roten LED-Hinweistafeln hätten sich als „wenig wirksam“ erwiesen.

Projekt an Uni Magdeburg

Aktuell arbeitet die Magdeburger Uni an einem Forschungsprojekt mit, bei dem Navigationssysteme der Autos und die Notrufsäulen für eine Echtzeitalarmierung vernetzt werden sollen. Möglich wird das durch spurgenaue GPS-Ortung der Fahrzeuge. Projektleiter Andreas Müller: „Die Systeme können die falsche Spur erkennen und gleichzeitig Alarm schlagen.“

Der Kommentar zum Thema von Matthias Fricke.