Magdeburg l Vier Häftlingen ist im Jahr 2018 die Flucht aus einem der Gerichte in Sachsen-Anhalt gelungen. Nur zwei der Gesuchten konnten inzwischen von der Polizei wieder eingefangen werden. Zuletzt hat ein 22-jähriger Serbe die Gelegenheit eines Haftprüfungstermins am Stendaler Amtsgericht zur Flucht genutzt. Er war bei der Rückführung in seine Vorführzelle geflüchtet, nachdem er trotz angelegter Handschellen die Tür aufstieß und vor den beiden Bewachern und einem Zeugen davonsprintete. Der Mann soll gemeinsam mit einem Iraker im Oktober dieses Jahres einen 21-jährigen Stendaler um 500 Euro erpresst haben. Bei der geplanten Geldübergabe klickten die Handschellen. Gesucht wird auch noch ein 28-jähriger Häftling, dem die Flucht kurz vor einem Prozess am Dessauer Landgericht gelang. Er hatte seine Bewacher am Gefangenentransporter zur Seite gestoßen.

In Halle türmte Mitte Juni ein 33-Jähriger bei einem Gespräch mit seinem Anwalt. Er wurde eine Woche später in Halle gefasst. In Quedlinburg flüchtete im Juli aus dem Amtsgericht ein weiterer 33-Jähriger. Er wurde drei Tage später in der Innenstadt gefasst. Sein verändertes Äußeres mit gefärbten Haaren und mit Schminkstift überdeckte Tä­towierungen halfen ihm nicht.

Finzelberg muss ins Gefängnis

Der ehemalige Landrat des Jerichower Landes, Lothar Finzelberg, muss wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung für zwei Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Der Bundesgerichtshof hatte Mitte November die Revision gegen das Urteil des Landgerichts Magdeburg zurückgewiesen. Damit gibt es im Strafverfahren keine juristischen Schritte mehr.

Hintergrund des Urteils ist, dass Finzelberg als Landrat illegale Müllablagerungen in den Tongruben Vehlitz und Möckern gedeckt und dafür knapp 56.000 Euro eingesteckt hat. Strafverteidiger Andreas Meschkat äußerte gegenüber der Volksstimme, dass er eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht erwägt. Notfalls auch den Europäischen Gerichtshof anzurufen.

Im September war Finzelberg in anderer Sache zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden – wegen uneidlicher Falschaussage vor einem Untersuchungsausschuss.

Prozess gegen Dieselbande platzt

Ende August war der Mammut-Prozess gegen die sogenannte Dieselbande am Landgericht Magdeburg geplatzt. Nach 90 Verhandlungstagen muss die Hauptverhandlung gegen die vier verbliebenen von sechs Angeklagten neu aufgerollt werden. Ihnen wird vorgeworfen, in Burg (Jerichower Land) eine Anlage zur Herstellung von Biodiesel betrieben und den Sprit, ohne Energiesteuern zu entrichten, verkauft zu haben.

Hintergrund der Justiz-Panne ist, dass der Vorsitzende Richter der Wirtschaftsstrafkammer in Ruhestand ging. Zum Prozessstart im Jahr 2015 war das Gericht noch davon ausgegangen, dass der Prozess bis zur Pensionierung des Richters längst Geschichte ist. Aber das war ein Denkfehler, der dem Steuerzahler etwa 90.000 Euro kostet.

Ein „Ergänzungsrichter“, der ohne Verzögerung hätte einspringen und weiter verhandeln können, war der 4. Großen Strafkammer aus verschiedenen Gründen nicht zur Seite gestellt worden.

Ex-Chefarzt jubelt Frauen Koks unter

In einem der ungewöhnlichsten Kriminalfälle Sachsen-Anhalts wird Anfang Januar 2019 das Urteil erwartet. Der ehemalige Chefarzt am Halberstädter Ameos-Klinikum, Dr. Andreas N., muss sich vor dem Magdeburger Landgericht wegen mutmaßlichen Vergewaltigungen an mehreren Frauen sowie der Tötung einer 38-jährigen Schönebeckerin mit einer Überdosis Kokain verantworten.

Die Anklage wirft dem Mediziner vor, fünf Frauen das Kokain beim zum Teil einvernehmlichen Geschlechtsverkehr untergejubelt zu haben. Angeklagt sind zehn Fälle. Zum Teil sollen die Frauen wegen der Drogen nicht mehr in der Lage gewesen sein, ihrem Willen Ausdruck zu verleihen oder sich zu wehren. Beim schlimmsten Vorfall am 20. Februar dieses Jahres erlitt das Opfer eine Kokainvergiftung, an der die ins Koma gefallene Frau am 26. Februar verstarb. Anfang Januar werden die Plädoyers und das Urteil erwartet. Große Teile des Prozesses fanden aus Opferschutz-Gründen nichtöffentlich statt.

Betonstau auf der Autobahn

Der tägliche Wahnsinn auf Deutschlands unfallträchtigster Ost-West-Achse nimmt Mitte des Jahres scheinbar kein Ende. Ein Betonmischer fährt am Stauende in Höhe Magdeburg auf zwei bereits stehende Lkw und kippt um. Die Folge: der gesamte Flüssigbeton läuft auf die Fahrbahn. Die Feuerwehr muss die Straße „retten“ und den noch flüssigen Beton von der Bahn spritzen. Vier Stunden lang muss die Strecke während der Bergungsarbeiten in Fahrtrichtung Berlin gesperrt werden. Die Polizei empfiehlt die Stadt weiträumig über die Schönebecker Brücken zu umfahren. Doch trotzdem herrscht auf der ohnehin unfallträchtigen Ausweichroute B 1 ein Verkehrschaos. Die gute Nachricht: Niemand wurde ernsthaft verletzt.

Sechs Tote auf 85 Kilometern

Allein auf der Autobahn 2 waren an jedem zweiten der 1353 Unfälle im Jahr 2018 Lkw beteiligt. Über die rund 85 Kilometer lange Strecke in Sachsen-Anhalt rollen täglich etwa 70.000 Fahrzeuge. Etwa ein Viertel sind Lkw.

Bis Mitte Dezember dieses Jahres registrierte die Polizei 152 Unfälle mit Personenschäden und sechs Tote auf der A 2. Damit deutet sich in diesem Jahr wieder ein leichter Rückgang an. Die genauen Zahlen stehen aber noch aus. 2017 gab es auf der Strecke insgesamt 1353 Unfälle.