Zwischen Traum, Liebe und Widerspruch Emotionales Drei‑Frauen‑Stück feiert Premiere in Theater der Altmark in Stendal
Die Inszenierung „Muttersprache Mameloschn“ feiert am 24. Januar Premiere im Theater der Altmark in Stendal. Das starke Frauenstück beleuchtet jüdisches Leben jenseits der Schlagzeilen.

Stendal - Manchmal ist Familie kein sicherer Hafen, eher ein Minenfeld. Ein falsches Wort, ein eisiges Schweigen, ein verächtlicher Blick – und plötzlich stehen sich drei Generationen gegenüber, ohne wirklich miteinander zu sprechen. Genau dort setzt „Muttersprache Mameloschn“ im Theater der Altmark an.
„Es gibt nur wenige starke Frauenstücke“, sagt Regisseur Marcus Kaloff. Das ist eines aus dieser Kategorie, das er aktuell für die Stendaler Bühne inszeniert.
Drei Frauen, drei jüdische Generationen in Deutschland. Eine Familie, in der Nähe und Distanz unauflöslich miteinander verwoben sind. „Muttersprache Mameloschn“ von Sasha Marianna Salzmann erzählt keine große historische Chronik, sondern zoomt ganz nah heran. Auf das Innenleben einer Großmutter, einer Mutter und einer Enkeltochter. Auf all das, was zwischen ihnen steht.
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Denn jede von ihnen hat eine ganz eigene Sicht auf das Thema, was es heißt, eine jüdische Frau in Deutschland zu sein. Oma Lin, die den Holocaust überlebte und als linientreue Kommunistin in der DDR das bessere Deutschland aufbauen wollte. Mutter Clara, die mit Religion und Ideologie gebrochen hat, um das Trauma ihrer Mutter abzuschütteln, und Enkelin Rahel auf ihrer Suche nach Zugehörigkeit.
Theater der Altmark präsentiert anrührende und komische Inszenierung
Der eigentliche Konflikt ist kein politischer. Er ist zutiefst privat. Er handelt über Familie, über verhärtete Fronten und unerträgliche Stille. „Es geht ums Loslassen“, beschreibt Regisseur Marcus Kaloff. Punktgenau zu treffen, wann man jemanden gehen lässt. Als Eltern kann man eigentlich nur alles falsch machen. Während Nachkommen oftmals so böse verletzend reagieren, dass sie endlich gehengelassen werden. Viele Familien zerbrechen an mangelnder Kommunikation, haben verlernt, miteinander und beieinander zu sein.
Kaloff sieht die Stärke des Stücks in den psychologischen Strängen dieser drei Personen. Mit anrührenden Szenen und einer Situationskomik. Jüdischer Witz kann derbe sein, und dieser schwarze Humor gefällt Schauspielerin Katrin Steinke sehr. Sie verkörpert die divenhafte Lin und sieht ihre Rolle als Anwältin gegen das Vergessen. Eine KZ-Überlebende, deren Leben geprägt ist von Erfahrungen, die eigentlich jeder Kritik entzogen scheinen.
Ein Stück, das lange nachwirkt
Gegen ihre Mutter spielt Kerstin Slawek als Clara an. Als Kind oft allein gelassen, sehnt sie sich nach Mutterliebe und erdrückt aber mit genau dieser ihre eigenen Kinder. Der Sohn ist bereits fort, Tochter Rahel möchte ebenso weg. Als Tochter ist Tara Oestreich auf der Bühne zu erleben. Für sie ist das geschriebene Stück eines mit drei sehr menschlichen Figuren. Eine Identitätssuche, die jeden Menschen einzeln betrachtet.
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Schon vor der Premiere am Sonnabend, 24. Januar, 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Theaters der Altmark in Stendal steht eines fest: „Muttersprache Mameloschn“ ist alles andere als leichte Kost. Wer sich auf das Stück einlässt, darf keinen kuschlig-launigen Theaterabend erwarten. Aber auch keinen tieftraurigen. Humor blitzt auf, wenn man ihn nicht erwartet.
Versöhnlich sein, so wünscht sich Regisseur Kaloff das Gefühl, mit dem das Publikum das Theater verlassen soll. Es wird ein Stück, das lange nachwirkt, gerade weil es so nah an einem Familienleben erzählt ist.