Magdeburg l Corona macht die Trauer über den Verlust geliebter Menschen komplizierter. Gewohnte Rituale fallen weg. Antworten bleiben offen. Auch, weil den Menschen mitunter die Möglichkeit versagt bleibt, die letzten Stunden an der Seite ihrer Liebsten zu verbringen und direkt Abschied zu nehmen. Das nagt an der Psyche der Hinterbliebenen. Schuldvorwürfe über den Verlust des Nächsten können sich so hartnäckiger halten. Das macht es einfacher, dass sich der Scherz als Traumata verstetigt. Doch es gibt Hilfe.

Trauer als Wunde, die man versorgen kann

„Trauer ist wie eine Wunde, die man versorgen kann“, sagt Kirsti Gräf. Sie ist Trauerbegleiterin und Traumapädagogin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Als Leiterin des Trauerinstituts der Pfeifferschen Stiftungen in der Magdeburger Stresemannstraße registrierte sie zuletzt einen deutlichen Anstieg bei den Anfragen für eine Trauerbegleitung in den Pandemie-Zeiten.

„Es ist ein verändertes Abschiednehmen. Die Trauerprozesse werden verschärft und langwieriger“, weiß die 43-Jährige zu berichten. Dazu gebe es zunehmend Menschen, die unter ihrer Einsamkeit leiden. Der Kontakt mit Freunden und Familie, aber auch der Zugang zu Freizeitangeboten ist im Zuge der Corona-Krise schwierig oder ganz verschlossen. Oft bleibt der Trauerende mit seiner Trauer dann alleine.

Der Tod kommt als Bericht

An diesem Punkt können Kirsti Gräf und ihr Team vom Trauerinstitut helfen. „Wir möchten ein Zeichen setzen, indem wir weiterhin für die Menschen da sind und sie sich gehört und wahrgenommen fühlen.“ Im Zentrum stehe dabei das persönliche Gespräch mit den Betroffenen, das auch über Telefon stattfinden kann. „Wir versuchen unsere Angebote den Bedürfnissen der Menschen anzupassen.“

Eine Trauerbegleitung kann sich über mehrere Wochen und Monate erstrecken. Sie dauert so lange, wie es dem Trauernden guttut und hilfreich ist. Das können drei Termine sein oder eben ein ganzes Jahr. Aktuell betreut Kirsti Gräf eine Trauernde, die in der Anfangsphase der Corona-Pandemie ihren Ehemann verloren hat. Sie habe ihn damals noch in die Klinik bringen können und musste wenig Tage später erfahren, dass er verstorben sei. Der Tod kam als Bericht. Ein Bild von Trauer in Corona-Zeiten: „Mit dieser Lücke leben zu müssen, die keiner aushalten kann.“

Bedürfnis beim Anderen, da sein zu wollen

Ein wichtiger Teil der Begleitung sei es, den Hinterbliebenen deutlich zu machen, dass es Dinge gebe, die nicht mehr zu ändern sind. Dass das Gefühl der Leere, das darauf folgt, aber gemeinschaftlich geteilt und so verarbeitet werden kann. Das Zuhören stehe im Fokus. Auf diesem Wege könne ein Stück weit Stabilität geschaffen werden, so schwer und brüchig sie scheint.

„Sie sollten versuchen, trotzdem mutig zu bleiben“, rät Kirsti Gräf all denjenigen, die in diesen schwierigen Zeiten den Verlust eines nahestehenden Menschen betrauern müssen. „Es hilft, den Kontakt zu Familie und Freunden zu suchen und sich nicht davor zu scheuen, Hilfe anzunehmen.“ Der Satz: „Du kannst dich melden“, sei in aller Regel ganz genau so gemeint. „Es gibt ein Bedürfnis beim Anderen, da sein zu wollen.“

Kontakt zum Trauerinstitut

Kontakt zum Trauerinstitut der Pfeifferschen Stiftungen unter Telefon (0391) 8505 773 oder 0152 21 531 959. Auch ein Austausch per E-Mail ist möglich: trauerinstitut@pfeiffersche-stiftungen.org. Beratungen sind im persönlichen Einzelgespräch oder telefonisch möglich.